Breslau, seit 1815 Hauptstadt der preußischen Provinz Schlesien, zählte im Deutschen Kaiserreich zu den bedeutendsten Militärstandorten des deutschen Ostens. Bereits am 30. März 1818 war hier aus dem seit dem 4. November 1815 bestehenden Generalkommando in Schlesien das VI. Armee-Korps errichtet worden; sein Generalkommando verblieb bis zur Auflösung Ende Dezember 1918 in der Stadt. Das der VIII. Armee-Inspektion unterstellte Korps umfasste die in Schlesien stationierten Truppen. Nach der Friedensgliederung von 1914 hatte die 11. Division ihr Kommando in Breslau, die 12. Division in Neiße. In der Oderstadt bündelten sich damit zivile Provinzialverwaltung und militärische Kommandogewalt über eine der volkreichsten Provinzen Preußens.
Als Garnisonsstadt trug Breslau im Kaiserreich nicht mehr den Charakter einer Festung. Bis 1807 war die Stadt ein bedeutender Festungsplatz gewesen; nach der Eroberung durch die Rheinbundarmee unter Jérôme Bonaparte wurde die Zerstörung der Befestigungsanlagen angeordnet, die Schleifungsarbeiten erstreckten sich von 1807 bis 1810. An die Stelle der Wälle und Bastionen traten baumbestandene Promenaden, mehrere Grabenabschnitte wurden nach und nach zugeschüttet. Der innere Stadtgraben wurde um 1869 vollständig trockengelegt, in den 1870er und 1880er Jahren folgten weitere Abschnitte; auf dem Gelände der ehemaligen Befestigungen entstanden Parkanlagen. Die Entfestigung öffnete der wachsenden Stadt den Raum für Vorstädte, Bahnanlagen und Kasernenneubauten.
Die Kasernenlandschaft des 19. Jahrhunderts lässt sich am Beispiel des Komplexes am Podwale (der einstigen Wallstraße am Stadtgraben) nachvollziehen. 1824 wurde dort Gelände für das Leib-Kürassier-Regiment „Großer Kurfürst“ angekauft, der zweigeschossige Kasernenbau entstand 1828 bis 1832 nach Plänen des Baudirektors Schubert. Nachdem die Kürassiere 1869 in eine 1867 bis 1872 errichtete neue Kavalleriekaserne an der heutigen Aleja Generała Józefa Hallera verlegt worden waren, bezog das Grenadier-Regiment „König Friedrich III.“ (2. Schlesisches) Nr. 11 die Anlage am Podwale. Der Bau ist erhalten, steht seit 1993 unter Denkmalschutz, wurde 2019 bis 2021 umfassend saniert und dient heute als öffentliches Verwaltungsgebäude, unter anderem für die Staatsanwaltschaft. Für das Infanterie-Regiment Nr. 51 ist eine eigene Infanteriekaserne durch Bildquellen von 1912 bezeugt.
Zur Breslauer Garnison der Friedensgliederung von 1914 gehörten neben dem Generalkommando des VI. Armee-Korps und dem Stab der 11. Division die 22. Infanterie-Brigade, die 11. Kavallerie-Brigade und die 11. Feldartillerie-Brigade. An Truppenteilen lagen in der Stadt das Grenadier-Regiment „König Friedrich III.“ (2. Schlesisches) Nr. 11 – 1808 als 2. Schlesisches Infanterie-Regiment errichtet und seit 1871 dauerhaft in Breslau –, das 4. Niederschlesische Infanterie-Regiment Nr. 51, das Leib-Kürassier-Regiment „Großer Kurfürst“ (Schlesisches) Nr. 1, dem Breslau bereits am 3. Dezember 1808 als Garnison zugewiesen worden war und das im 19. Jahrhundert als ältestes Regiment der preußischen Kavallerie galt, sowie das Feldartillerie-Regiment „von Peucker“ (1. Schlesisches) Nr. 6. Hinzu kamen die Maschinengewehr-Abteilung Nr. 1, die Schlesische Train-Abteilung Nr. 6 und die Landwehrinspektion Breslau.
Die Garnison war eingebettet in eine Großstadt von erheblichem wirtschaftlichem Gewicht. Breslau zählte 1871 rund 207.997 Einwohner und wuchs bis 1910 auf 512.105; um 1880 war es mit 272.912 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Deutschen Reiches, ehe schneller wachsende Städte es in der Rangfolge überholten. Grundlage des Aufschwungs waren die frühe Eisenbahnanbindung – 1847 nach Krakau, 1848 die durchgehende Schienenverbindung vom Rhein zur Weichsel –, die 1856 gegründete Königliche Eisenbahndirektion, die Oderschifffahrt sowie eine vielgestaltige Industrie mit Mühlen, Brauereien, chemischen und Metallbetrieben. 1910 entstanden Kaiserbrücke und Technische Hochschule, 1913 wurde zur Erinnerung an die Befreiungskriege die Jahrhunderthalle errichtet.
Im heutigen Wrocław ist das militärische Erbe der Kaiserzeit vielfach überformt, aber ablesbar geblieben. Der aus der Entfestigung hervorgegangene Promenadenring umzieht weiterhin die Altstadt; vom Befestigungssystem zeugen Wasserflächen im Botanischen Garten, Geländewellen in den Parkanlagen und zwei Bastionsreste. Die Kaserne am Podwale wird zivil weitergenutzt, ebenso Teile der jüngeren Militärbauten des 19. Jahrhunderts. Dass die Stadt im Zweiten Weltkrieg erneut zur „Festung“ erklärt wurde und 1945 in monatelangen Kämpfen schwer zerstört worden ist, hat viele Spuren der alten Garnisonsstadt getilgt – die erhaltenen Bauten und Grünzüge machen ihre Struktur gleichwohl bis heute erkennbar.
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