Garniſon Coblenz und Ehrenbreitstein

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

50.3607° N, 7.6153° O

Heutiger Name

Coblenz und Ehrenbreitstein

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Über die Garniſon Coblenz und Ehrenbreitstein

Mit dem Übergang des Rheinlands an Preußen nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Koblenz zur Verwaltungs- und Militärhauptstadt des preußischen Westens. Die Stadt an der Mündung der Mosel in den Rhein war Sitz des Oberpräsidiums, zunächst der Provinz Großherzogtum Niederrhein, dann der Rheinprovinz. Am 3. April 1820 wurde hier das Generalkommando des VIII. Armee-Korps errichtet, das bis zu seiner Auflösung 1919 in Koblenz verblieb; ihm unterstanden 1914 die 15. Division in Köln und die 16. Division in Trier. Von 1850 bis 1918 diente Koblenz zudem als königlich-preußische Residenzstadt: Der spätere Kaiser Wilhelm I. und seine Gemahlin Augusta lebten lange vor der Thronbesteigung in der Stadt, die Kaiserin blieb ihr zeitlebens verbunden.

Grundlage der militärischen Stellung war die Festung Koblenz. König Friedrich Wilhelm III. erließ am 11. März 1815 die Order zur Neubefestigung der Stadt Coblenz und der Festung Ehrenbreitstein; die Arbeiten erstreckten sich von 1815 bis 1834. Die Feste Ehrenbreitstein entstand von 1817 bis 1828 unter Leitung von Carl Schnitzler auf dem Felsen über dem rechten Rheinufer, an der Stelle der 1801 von den Franzosen gesprengten kurtrierischen Barockfestung. Das Gesamtsystem gliederte sich in sechs Systeme — darunter Oberehrenbreitstein, die Feste Kaiser Alexander auf der Karthause mit dem Fort Großfürst Konstantin, die Feste Kaiser Franz in Lützel und die Werke der Pfaffendorfer Höhe mit dem Fort Asterstein — und erreichte einen Umfang von 14 Kilometern. Damit zählte Koblenz zu den größten Befestigungsanlagen Europas und gilt als erster Vertreter der Großfestungen des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg verschob sich das strategische Gewicht an die neue Westgrenze: 1886 wurde Koblenz als Festung minderer Wichtigkeit eingestuft, da Metz und Straßburg näher an Frankreich lagen. Am 13. März 1890 begann auf Erlass der preußischen Regierung die Schleifung der linksrheinischen Festungswerke, wodurch die Stadt erstmals aus ihren engen Grenzen heraustreten und sich planmäßig erweitern konnte. Die rechtsrheinischen Werke mit dem Ehrenbreitstein blieben dagegen — mit Ausnahme der Bienhornschanze — bis zum Ende des Ersten Weltkriegs einsatzbereit; im Kriegsfall sollten 1500 Soldaten mit 80 Geschützen den Ehrenbreitstein verteidigen.

Die Friedensgarnison war beträchtlich. Das Infanterie-Regiment „von Goeben“ (2. Rheinisches) Nr. 28, seit 1889 nach dem preußischen General August Karl von Goeben benannt, lag von 1877 bis zum Kriegsausbruch 1914 in Koblenz und Ehrenbreitstein, verteilt unter anderem auf die Fachwerkkaserne auf dem Asterstein und verschiedene Festungswerke; ein 1913 begonnener Kasernenneubau im Rauental war bei Kriegsbeginn noch unvollendet. Das 6. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 68 lag ab 1894 vollständig in Koblenz, unter anderem in der Feste Kaiser Alexander, ab 1902 mit dem III. Bataillon in der neu errichteten Erbgroßherzog-Friedrich-Kaserne; beide Regimenter gehörten 1914 zur 30. Infanterie-Brigade der 16. Division im VIII. Armee-Korps. Auf dem Ehrenbreitstein lagen Teile des Schleswig-Holsteinischen Fußartillerie-Regiments Nr. 9, am Moselufer seit 1889 das 1. Rheinische Pionier-Bataillon Nr. 8 in der Falckensteinkaserne.

Die Garnison prägte das Bild einer Stadt, die im Kaiserreich rasch wuchs: von rund 24 900 Einwohnern um 1870 auf 45 147 im Jahr 1900 und 56 487 im Jahr 1910. Die Eisenbahn hatte Koblenz 1858 erreicht, es folgten mehrere Rhein- und Moselbrücken, ab 1882 lag die Stadt an der sogenannten Kanonenbahn von Berlin nach Metz. Sinnfälligster Ausdruck der Verbindung von preußischer Tradition und nationalem Repräsentationsbedürfnis wurde das Deutsche Eck: An der Moselmündung wurde 1897 das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. eingeweiht.

Mit dem Ende des Kaiserreichs endete auch die Festungsgeschichte. Nach dem Waffenstillstand besetzten 1918 amerikanische Truppen den Ehrenbreitstein, 1923 bis 1929 folgten französische Soldaten. Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags wurde die Anlage 1920 bis 1929 entfestigt; am 25. Februar 1922 verfügte die Interalliierte Militär-Kontrollkommission jedoch die Erhaltung des Ehrenbreitsteins wegen seiner historischen Bedeutung und seines landschaftsprägenden Charakters, und am 25. August 1924 wurde die Gesamtfestung per Gesetz aufgelassen. Die Reduits der Festen Kaiser Alexander und Kaiser Franz wurden in den 1960er Jahren durch Sprengungen stark reduziert, während das Fort Großfürst Konstantin zu großen Teilen erhalten blieb. Die Festung Ehrenbreitstein gehört heute dem Land Rheinland-Pfalz, beherbergt das Landesmuseum Koblenz, eine Jugendherberge und das 1972 übergebene Ehrenmal des Deutschen Heeres, ist seit 2010 per Seilbahn vom Rheinufer erreichbar, wurde zur Bundesgartenschau 2011 umfassend saniert und zählt seit 2002 zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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