Garniſon Cüstrin

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

52.5693° N, 14.6133° O

Heutiger Name

Cüstrin

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Über die Garniſon Cüstrin

Küstrin, erstmals 1232 urkundlich erwähnt, lag an strategisch herausgehobener Stelle am Zusammenfluss von Oder und Warthe, wo sich die Übergänge über beide Ströme bündelten. Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin erhob die Stadt 1535 zur Residenz, ließ das Schloss ausbauen und ab 1537 die Befestigung anlegen; die zunächst aufgeschütteten Erdwälle wurden zwischen 1553 und 1568 in Mauerwerk ausgeführt. Seit 1580 Hauptstadt der Neumark, entwickelte sich Küstrin zu einer der wichtigsten Festungen Brandenburg-Preußens; die Bastionen König, Königin, Brandenburg und Philipp umschlossen die enge Altstadt. In die preußische Geschichte eingeschrieben ist der 6. November 1730: Auf Befehl König Friedrich Wilhelms I. wurde Leutnant Hans Hermann von Katte auf der Bastion Brandenburg enthauptet — vor den Augen des Kronprinzen Friedrich, des späteren Friedrich II., der nach seinem Fluchtversuch bis 1732 im Küstriner Schloss gefangen gehalten wurde.

Im Kaiserreich erhielt die Festung ihren letzten großen Ausbau. In den 1880er Jahren entstand ein Gürtel detachierter Forts nach dem Einheitsentwurf Biehlers: Fort Gorgast (1882) westlich der Oder, Fort Zorndorf (1882) und Fort Tschernow (1882–1885) auf dem östlichen Ufer sowie Fort Säpzig (1887). Die Anlagen waren bei ihrer Fertigstellung bereits technisch überholt, denn die Einführung der Brisanzgranate entwertete die gemauerten Werke; ein durchgreifender Umbau unterblieb, vor dem Ersten Weltkrieg wurden lediglich kleinere Unterstände ergänzt. Küstrin blieb gleichwohl Festungs- und Garnisonstadt mit Kommandantur, Bezirkskommando und Artilleriedepot; die eigentliche Entfestigung begann erst nach dem Krieg, als ab 1921 die östlichen Stadtumwallungen abgetragen wurden.

Die Garnison bestand seit 1641 ohne Unterbrechung. Stammregiment im Kaiserreich war das 1860 errichtete Infanterie-Regiment Nr. 48, das 1889 den Namen „von Stülpnagel“ (5. Brandenburgisches) erhielt; es unterstand der 9. Infanterie-Brigade der 5. Division im III. Armee-Korps. Um die Jahrhundertwende trat das Neumärkische Feldartillerie-Regiment Nr. 54 hinzu, dessen Stab und I. Abteilung in Küstrin lagen, während die II. Abteilung in Landsberg an der Warthe stand. 1913 wurde als dritter Truppenteil das Pionier-Bataillon Nr. 28 nach Küstrin verlegt. Das Gewicht des Militärs für die Stadt zeigt die Volkszählung von 1910: Unter 17.600 Einwohnern wurden 2.305 Militärpersonen gezählt.

Untergebracht waren die Verbände in Kasernen der Festung, der Neustadt und auf der Oderinsel. Das Infanterie-Regiment Nr. 48 bezog 1876 die Kaserne an der Landsberger Straße in der Neustadt mit Regimentsstab, I. und II. Bataillon, während das III. Bataillon im Küstriner Schloss lag. Für das Feldartillerie-Regiment Nr. 54 entstand 1902–1904 eine Kaserne nahe dem Altstädter Bahnhof, die Pioniere erhielten eine Kaserne an der Warnicker Straße. Nach 1945 blieb die Oderinsel bis 1992 sowjetisches Militärgebiet mit Artilleriekaserne. Vom Fortgürtel ist Fort Gorgast auf deutscher Seite teilweise instand gesetzt und zugänglich; andere Außenwerke sind Ruinen oder wurden abgetragen. In der Bastion Philipp der Altstadt besteht heute ein Kasemattenmuseum.

Als Stadt erlebte Küstrin im Kaiserreich einen spürbaren Aufschwung, der weniger der Festung als der Eisenbahn geschuldet war. Bereits im Oktober 1857 erhielt die Stadt Anschluss an die Preußische Ostbahn, 1867 folgte die direkte Strecke nach Berlin, die den Weg nach Ostpreußen verkürzte, 1875 die Verbindung Breslau–Stettin. Am Kreuzungspunkt entstand 1872–1874 der Turmbahnhof Küstrin-Neustadt, der noch heute als Bahnhof Kostrzyn dient. Die Bevölkerung wuchs von 10.141 Einwohnern im Jahr 1871 auf 17.600 im Jahr 1910. Das Wachstum konzentrierte sich auf die Neustadt östlich der Warthe, wo unter anderem der Wasserturm von 1903 und die Herz-Jesu-Kapelle von 1905 entstanden.

Das Ende der alten Festungsstadt kam 1945. Am 25. Januar zur Festung erklärt, wurde Küstrin in den Kämpfen bis Ende März zu einer der am schwersten zerstörten Städte des deutschen Ostens; die Altstadt ging zu 90 Prozent zugrunde. Die Trümmer wurden nach dem Krieg abgeräumt und bis 1956 zum Teil für den Wiederaufbau Warschaus verwendet, 1967 wurde das Areal eingeebnet. Ein Wiederaufbau fand nicht statt: Die Altstadt ist heute eine unbewohnte Wüstung, in der Straßenzüge, Kellerreste und die restaurierten Festungsteile — Bastionen König, Königin, Brandenburg und Philipp, Berliner Tor und Kietzer Tor — das Bild eines „Pompeji an der Oder“ ergeben. Das Zentrum des polnischen Kostrzyn nad Odrą liegt in der ehemaligen Neustadt; der Ortsteil Kietz westlich der Oder verblieb 1945 bei Deutschland.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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