Dresden nahm unter den Garnisonsstädten des Deutschen Kaiserreichs eine Sonderstellung ein: Die Stadt war Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Sachsen und damit Mittelpunkt eines Bundesstaates, der sich nach Artikel 63 der Reichsverfassung von 1871 eine rechtlich eigenständige Armee bewahrt hatte. Die Sächsische Armee war zwar in die Heeresstruktur des Reiches eingegliedert, unterstand aber im Frieden dem sächsischen König als oberstem Befehlshaber und wurde von einem eigenen Kriegsministerium in Dresden verwaltet. Das sächsische Kontingent umfasste zwei Armeekorps, das XII. und das XIX. Armeekorps; das Generalkommando des bereits 1867 gebildeten XII. (I. Königlich Sächsischen) Armee-Korps hatte seinen Sitz in Dresden, ebenso das Kommando der ihm unterstellten 23. Division (1. Königlich Sächsische).
Kern der Dresdner Garnison war die Albertstadt im Norden der Stadt. Am 7. März 1873 beschloss die Sächsische Ständeversammlung den Bau der neuen Militärstadt; die Pläne gehen auf den sächsischen Kriegsminister General Alfred von Fabrice zurück. Benannt wurde die Anlage nach König Albert von Sachsen, der im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 noch als Kronprinz sächsische Truppen geführt hatte. Anlass des Neubaus war die Erkenntnis, dass die verstreuten älteren Quartiere der Residenz für ein modernes Armeekorps nicht mehr ausreichten; nun entstand vor den Toren der Stadt ein zusammenhängender Militärkomplex nach einheitlichem Plan.
Die Dimension der Albertstadt war beträchtlich: Auf rund 7,5 Quadratkilometern entstanden Kasernen für etwa 20.000 Soldaten, was nach heutiger Gliederung ein bis zwei Divisionen entspricht. Die Anlage war als vollständige Militärstadt konzipiert und vereinte Unterkünfte, Exerzierflächen, Verwaltungs- und Versorgungseinrichtungen. Ihr repräsentatives Zentrum bildete das 1873 bis 1877 errichtete Arsenal, ein dreiflügeliger Monumentalbau mit Waffenlagern auf zwei Ebenen, in dem ab 1897 auch das Königlich-Sächsische Armeemuseum untergebracht war.
In der Albertstadt und der übrigen Stadt lagen die angesehensten Verbände des sächsischen Kontingents. Dazu zählten das 1. Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100, das 2. Grenadier-Regiment Nr. 101, das Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ Nr. 108 und das 12. Infanterie-Regiment Nr. 177, außerdem das 1. Feldartillerie-Regiment Nr. 12 und das 4. Feldartillerie-Regiment Nr. 48. Besonderes Ansehen genoss das Garde-Reiter-Regiment (1. Schweres Regiment), das 1680 aufgestellt worden war und damit zu den ältesten Kavallerieregimentern Deutschlands zählte. Es war stets in Dresden stationiert, bezog nach dem Krieg von 1870/71 die neu erbaute Albertstadt, führte Gardestatus seit 1821 und stellte die Wache im königlichen Residenzschloss. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das XII. Armee-Korps zunächst im Verband der 3. Armee, unter anderem an der Marne und an der Aisne, später in der Champagne.
Mit dem Ende der Monarchie 1918 verlor Sachsen seine militärische Teilautonomie; die Sächsische Armee ging 1919 im Reichsheer auf, das Garde-Reiter-Regiment wurde nach der Rückkehr aus dem Feld am 31. März 1919 aufgelöst. Die Bauten der Albertstadt blieben in wechselnder militärischer Nutzung erhalten. Das Arsenalhauptgebäude diente ab 1972 als Armeemuseum der DDR und wurde nach der Übernahme durch die Bundeswehr 1990 zum zentralen Militärhistorischen Museum der Bundeswehr ausgebaut. Nach einem Umbau durch den Architekten Daniel Libeskind, der dem historischen Bau einen markanten keilförmigen Einschnitt hinzufügte, wurde es am 14. Oktober 2011 wiedereröffnet und gilt heute als eines der größten militärhistorischen Museen Europas. In der Graf-Stauffenberg-Kaserne ist seit 1998 die Offizierschule des Heeres beheimatet; weitere ehemalige Militärbauten beherbergen das Stadtarchiv, das Landesfunkhaus des MDR, Behörden und Wohnungen. Die denkmalgeschützten Kasernenbauten machen die Albertstadt bis heute zu einem der eindrucksvollsten erhaltenen Zeugnisse des Garnisonswesens im Kaiserreich.
Das zivile Dresden erlebte im Kaiserreich einen kräftigen Aufschwung. Um 1900 zählte die Stadt 396.146 Einwohner und gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den fünf bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands. Neben ihrer Rolle als Residenz des sächsischen Hofes behauptete sich die Elbestadt als Kunst- und Kulturzentrum von europäischem Rang; 1905 gründete sich hier die expressionistische Künstlergruppe „Brücke“. Zugleich entwickelte sich eine leistungsfähige Industrie mit Schwerpunkten in Maschinenbau, Pharmazie, Kosmetik und Tabakverarbeitung. Militärische Garnison, höfische Repräsentation und bürgerliche Wirtschaftskraft prägten das Bild der sächsischen Hauptstadt bis zum Ende des Kaiserreichs gleichermaßen.
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