Am 18. Juli 1866 besetzten preußische Truppen die Freie Stadt Frankfurt, die als Sitz des Deutschen Bundes im Deutschen Krieg auf der Seite Österreichs gestanden hatte. Zwei Tage später forderte Preußen binnen 24 Stunden eine Kriegskontribution von 25 Millionen Gulden, die später auf 30 Millionen erhöht wurde. Mit der Annexion endete die jahrhundertealte Selbständigkeit der Stadtrepublik: Frankfurt wurde dem Regierungsbezirk Wiesbaden der neu gebildeten Provinz Hessen-Nassau zugeschlagen. Der Teilungsrezess vom 26. Februar 1869 regelte den Übergang von Gerichten, Gefängnissen, Münze und Finanzverwaltung an den preußischen Staat; die Stadt zahlte dafür zwei Millionen Gulden, König Wilhelm I. steuerte eine weitere Million aus seiner Privatschatulle bei.
Bis 1866 hatte Frankfurt keine eigene stehende Garnison preußischen Zuschnitts besessen; erst mit der Annexion begann der Ausbau zur Garnisonsstadt. Das im Oktober 1866 errichtete Infanterie-Regiment Nr. 81 — seit 1902 mit dem vollen Namen Infanterie-Regiment „Landgraf Friedrich I. von Hessen-Cassel“ (1. Kurhessisches) Nr. 81 — stand zunächst in Mainz und wurde nach dem Krieg von 1870/71 nach Frankfurt verlegt. Bis 1879 behalf sich das Regiment mit einer Unterbringung im ehemaligen Karmeliterkloster, ehe es 1880 die neu erbaute Gutleutkaserne bezog, in der es bis zum Ende des Kaiserreichs verblieb.
Den Rang einer militärischen Hauptstadt der Region erhielt Frankfurt am 1. April 1899 mit der Errichtung des XVIII. Armee-Korps, dessen Generalkommando seinen Sitz in der Stadt nahm. Dem Korps unterstanden im Frieden die 21. Division mit Stab in Frankfurt und die 25. Großherzoglich Hessische Division in Darmstadt; von den Infanterie-Brigaden der 21. Division lag die 41. in der Festung Mainz, die 42. in Frankfurt. Daneben residierten die Stäbe der 21. Kavallerie-Brigade und der 21. Feldartillerie-Brigade sowie das Bezirkskommando in der Stadt. Erster Kommandierender General war Oskar von Lindequist (1899–1904), ihm folgten Hermann von Eichhorn (1904–1912) und Dedo von Schenck (ab 1912).
Baulicher Mittelpunkt der Garnison war die Gutleutkaserne, errichtet 1877 bis 1879 nach Plänen der Baumeister Bruhn und Zacharias — die erste Kaserne der bis dahin militärfreien Stadt. Der langgestreckte Klinkerbau mit Ecktürmen liegt an der Gutleutstraße im Gutleutviertel, unweit des südlichen Ausgangs des Hauptbahnhofs. Nach 1918 nutzte später die Wehrmacht die Anlage, ab 1945 die US Army, die bis 1977 blieb. 1985 wurde die Backsteinfassade saniert; nach fünfjährigem Umbau entstand bis 1994 ein Behördenzentrum, in dem heute mehrere Frankfurter Finanzämter, das Hessische Landesarbeitsgericht und das Arbeitsgericht Frankfurt am Main untergebracht sind. Die Feldartillerie der Garnison lag in einer Kaserne im 1895 eingemeindeten Stadtteil Bockenheim.
Im Sommer 1914 stellte Frankfurt zwei Truppenteile: das Infanterie-Regiment Nr. 81 in der Gutleutkaserne und das Feldartillerie-Regiment „Frankfurt“ (2. Nassauisches) Nr. 63, das am 25. März 1899 errichtet worden war und in Bockenheim lag. Das IR 81 bildete zusammen mit dem in Wiesbaden und Bad Homburg vor der Höhe stationierten Füsilier-Regiment „von Gersdorff“ (Kurhessisches) Nr. 80 die 42. Infanterie-Brigade der 21. Division. Am 1. und 2. August 1914 wurde das Regiment mobil gemacht; bis 1918 verlor es 113 Offiziere sowie 3.048 Unteroffiziere und Mannschaften. Nach der Demobilmachung wurde es im Mai 1919 aufgelöst, das XVIII. Armee-Korps bestand noch bis 1919 fort.
Neben der Garnison blieb Frankfurt im Kaiserreich vor allem Wirtschaftsmetropole. Am 10. Mai 1871 unterzeichneten Otto von Bismarck und Jules Favre im Hotel zum Schwan den Frieden von Frankfurt, der den Deutsch-Französischen Krieg beendete. Die Banken- und Börsenstadt wuchs rasch: 1875 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 100.000, 1905 zählte die Stadt 334.951 Einwohner und stand damit an achter Stelle im Reich, 1910 waren es 414.576. Bornheim (1877) und Bockenheim (1895) wurden eingemeindet, 1880 öffnete das neue Opernhaus, 1884 fuhr die erste kommerzielle elektrische Straßenbahn Deutschlands, 1888 ging der Hauptbahnhof als damals größter Bahnhof Europas in Betrieb. 1914 schließlich erhielt Frankfurt aus bürgerschaftlichen Stiftungsmitteln seine Universität — die heutige Goethe-Universität.
Werbehinweis: Die vorſtehenden Buchverweiſe führen zur Suche bei Amazon. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.