Garniſon Glogau

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

51.6598° N, 16.0807° O

Heutiger Name

Glogau

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Über die Garniſon Glogau

Glogau, an der mittleren Oder in Niederschlesien gelegen, gehörte zu den ältesten Festungsplätzen Schlesiens. Bereits im Dreißigjährigen Krieg zur Festung ausgebaut, galt die Stadt 1642 als Hauptfestung Schlesiens. Nach dem Übergang an Preußen im Ersten Schlesischen Krieg entstand hier das nach heutigem Forschungsstand bestausgebaute Fortifikationssystem Schlesiens mit Kurtinenmauern, Basteien und einer Zitadelle. Diese Doppelrolle als Oderübergang und Waffenplatz prägte Glogau bis in das 20. Jahrhundert: Im Deutschen Kaiserreich wurde die Stadt als Festung zweiten Ranges geführt und beherbergte eine der größeren Garnisonen der Provinz Schlesien.

Die Festungseigenschaft war für die Stadtentwicklung zunehmend eine Last, denn der Befestigungsgürtel schnürte die Bebauung eng ein. 1873 wurde die Befestigungslinie nach Osten verschoben, was der Stadt erstmals begrenzten Raum verschaffte. Den entscheidenden Einschnitt brachte das Jahr 1902: Damals fiel der Beschluss zur Schleifung der Befestigungsmauern, worauf Glogau planmäßig ausgebaut und modernisiert wurde. 1905 folgte ein moderner Bebauungsplan; die Stadt dehnte sich nach Süden und Südosten aus, und aus ehemaligen Fortifikationen entstanden Parkanlagen. Im Ersten Weltkrieg erhielt Glogau noch einmal Festungsstatus, blieb jedoch von unmittelbaren Kampfhandlungen unberührt.

Als Garnison stand Glogau 1914 im Zentrum des niederschlesischen Militärwesens. Die Stadt war Sitz des Kommandos der 9. Division, die zum V. Armeekorps gehörte und deren Stab bis zur Auflösung des Großverbandes 1919 hier verblieb. Daneben residierten die Stäbe der 17. Infanterie-Brigade, der 9. Feldartillerie-Brigade und der 9. Kavallerie-Brigade in der Stadt. An Truppen lagen das 3. Posensche Infanterie-Regiment Nr. 58 mit Stab und zwei Bataillonen in Glogau (das III. Bataillon in Fraustadt) sowie das seit dem 27. Januar 1902 so benannte 2. Niederschlesische Feldartillerie-Regiment Nr. 41 am Ort. Das Niederschlesische Pionier-Bataillon Nr. 5, seit 1820 in Glogau stationiert, stellte die technische Truppe der Festung; um 1900 ist zudem ein Bataillon des Fußartillerie-Regiments Nr. 6 in der Garnison nachgewiesen.

Von den Werken der Festung ist das Fort Stern das anschaulichste erhaltene Zeugnis. Die sternförmige Schanze wurde 1747 bis 1749 unter Friedrich II. angelegt, im 19. Jahrhundert gründlich umgebaut und 1832 offiziell in Fort Stern umbenannt. Heute liegen ihre Reste als Fort Gwiaździsty im Stadtgebiet von Głogów: erhalten sind die Kasematte, Grabenabschnitte, Erdwerke und unterirdische Gänge. Die Kasematte wurde am 31. Juli 2008 unter der Nummer A/148 in das Denkmalregister eingetragen und wird seither denkmalgerecht saniert. Daneben haben sich Fragmente der mittelalterlichen Stadtmauer und ein Artillerieturm des 19. Jahrhunderts erhalten; die Namen einzelner Kasernenbauten der Kaiserzeit sind dagegen aus den herangezogenen Quellen nicht sicher zu belegen.

Dass vom baulichen Bestand der Garnisonsstadt so wenig übrig ist, erklärt sich aus dem Kriegsende: 1944 wurde Glogau erneut zur Festung erklärt. In der wochenlangen Belagerung Anfang 1945, die am 1. April 1945 mit der Kapitulation endete, fielen über 90 Prozent der Bebauung den Kämpfen zum Opfer; die Altstadt lag in Trümmern. In den 1950er Jahren wurden die Ruinen bis auf die Hauptdenkmäler abgerissen. Erst seit den 1980er Jahren wird die Innenstadt auf den ursprünglichen Fundamenten und nach historischer Parzellierung wiederaufgebaut, ein Vorhaben, das bis heute andauert.

Im Kaiserreich war Glogau zugleich Kreisstadt, Sitz eines Landgerichts und eines Hauptsteueramtes sowie ein regional bedeutender Handelsplatz. Die Einwohnerzahl stieg von 18.261 im Jahr 1871 über 20.529 (1890) und 22.147 einschließlich der Garnison (1900) auf 24.524 im Jahr 1910 — ein moderates Wachstum, das die lange Einschnürung durch die Festung widerspiegelt. Die Wirtschaft umfasste Eisengießerei, Maschinen- und Kesselbau, Zucker-, Stärke-, Sirup-, Dextrin-, Möbel- und Hutfabrikation sowie eine große lithographische Anstalt mit kartographischem Institut; die Wollmärkte besaßen überörtliche Bedeutung, und die Reichsbankstelle erzielte 1902 einen Umsatz von 608,2 Millionen Mark. Der Oderhandel blieb ein tragender Faktor: 1902 passierten 19.328 Fahrzeuge mit 2.365.638 Tonnen Ladung die Stadt. Seit 1844 an das Eisenbahnnetz angeschlossen, entwickelte sich Glogau zum Knotenpunkt dreier Staatsbahnlinien.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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