Garniſon Hannover

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

52.3745° N, 9.7386° O

Heutiger Name

Hannover

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Über die Garniſon Hannover

Mit dem Deutschen Krieg von 1866 endete die Eigenstaatlichkeit des Königreichs Hannover. Nach der Kapitulation der hannoverschen Armee annektierte Preußen das Land, und die bisherige Residenzstadt wurde Hauptstadt der neu gebildeten preußischen Provinz Hannover. Militärisch vollzog sich der Wechsel unmittelbar: Bereits am 11. Oktober 1866 errichtete Preußen in der neuen Provinz das X. Armee-Korps, dessen Generalkommando seinen Sitz in Hannover nahm und dort bis zur Auflösung 1919 verblieb. Erster Kommandierender General war Konstantin Bernhard von Voigts-Rhetz; bei Kriegsausbruch 1914 führte General Otto von Emmich das Korps. Auch die Stäbe der beiden Divisionen des Korps, der 19. und der 20. Division, hatten ihren Sitz in der Stadt. Hannover war damit nicht nur Verwaltungs-, sondern auch Kommandozentrum des preußischen Militärs im ehemaligen Welfenreich.

Das Verhältnis zwischen welfischer Überlieferung und preußischem Militär fand einen sichtbaren Ausdruck in der Traditionspflege der neuen Regimenter. Die in der Provinz aufgestellten Verbände trugen Landesbezeichnungen wie „Hannoversches“ im Namen, etwa das Königs-Ulanen-Regiment (1. Hannoversches) Nr. 13 oder das Feldartillerie-Regiment „von Scharnhorst“ (1. Hannoversches) Nr. 10. Am 24. Januar 1901 verlieh Kaiser Wilhelm II. durch Kabinettsordre drei Verbänden mit hannoverscher Tradition das Ärmelband „Gibraltar“: dem Füsilier-Regiment Nr. 73, dem Infanterie-Regiment Nr. 79 und dem Hannoverschen Jäger-Bataillon Nr. 10. Es erinnerte an die kurhannoverschen Bataillone, die von 1779 bis 1783 an der Verteidigung Gibraltars gegen die spanisch-französische Belagerung teilgenommen hatten, und war das einzige Traditionsabzeichen dieser Art im deutschen Heer vor 1918. So band die preußische Armee das Erbe der aufgelösten Königlich Hannoverschen Armee demonstrativ in ihre eigenen Verbände ein.

Baulicher Kern der Garnison war der Welfenplatz nördlich der Altstadt. Schon das hannoversche Kriegsministerium hatte dort um 1850 Weideland aufgekauft; 1857 begann der Bau von drei Kasernen an der Nordseite des rund 200 mal 300 Meter großen Platzes. Nach der Annexion setzte Preußen den Ausbau fort und errichtete 1867 zwei weitere Kasernen an der Ostseite. Die Anlage fasste etwa 2000 Soldaten, 500 Pferde und 50 Feldgeschütze; hier lagen unter anderem das 1. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74 und das Feldartillerie-Regiment „von Scharnhorst“ Nr. 10. Bei den Luftangriffen vom 25. und 28. März 1945 wurden drei der fünf Kasernen so schwer beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten. Die erhaltene Infanteriekaserne VI an der Nordseite beherbergt heute die Polizeiinspektion Hannover, die Artilleriekaserne XI an der Ostseite dient der Reiter- und Diensthundeführerstaffel der Polizei. Die ältere Artilleriekaserne am Steintor von 1838 wurde dagegen bereits 1876 abgebrochen und überbaut.

Eine Sonderstellung nahm das Militärreitinstitut ein, das 1866 von Schwedt an der Oder nach Hannover verlegt wurde. Es war das Zentrum der militärischen Reit- und Reitlehrerausbildung im Deutschen Kaiserreich und galt als Eliteschule der Reiterei, an der die begabtesten Kavallerieoffiziere geschult wurden. Zwischen 1874 und 1876 entstand in Vahrenwald nach Entwürfen der Architekten Eduard Schuster und Ferdinand Wallbrecht eine weiträumige Kasernenanlage für rund 200 Soldaten und 400 Pferde mit sieben Reithallen, darunter die Königliche Reithalle. Zum 1. Januar 1920 trat die Kavallerieschule Hannover der Reichswehr an die Stelle des Instituts. Mehrere der roten Backsteinbauten an der Dragonerstraße sind renoviert erhalten, darunter die Königliche Reithalle; das Innere des Areals wurde in den 1990er Jahren zum Vahrenwalder Park umgestaltet.

Bei der Mobilmachung 1914 lag in Hannover ein breites Spektrum von Verbänden. Zur 38. Infanterie-Brigade der 19. Division gehörten das Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen“ (Hannoversches) Nr. 73 und das 1. Hannoversche Infanterie-Regiment Nr. 74, beide in der Stadt garnisoniert. Dazu kamen das Königs-Ulanen-Regiment (1. Hannoversches) Nr. 13 der 19. Kavallerie-Brigade, das Feldartillerie-Regiment „von Scharnhorst“ (1. Hannoversches) Nr. 10 der 20. Feldartillerie-Brigade sowie als Korpstruppen das Telegraphen-Bataillon Nr. 6 und die Hannoversche Train-Abteilung Nr. 10. Am 2. August 1914 rückte das Infanterie-Regiment Nr. 74 vom Welfenplatz aus ins Feld.

Die Garnison war Teil einer Stadt in raschem Wandel. Die Aufhebung des Zunftzwangs und die Einführung der Gewerbefreiheit nach dem preußischen Anschluss beschleunigten das Wirtschaftswachstum. Am 8. Oktober 1871 wurde in Hannover die Continental-Caoutchouc- und Gutta-Percha Compagnie gegründet, die ab 1891 mit Fahrradreifen zum Marktführer in Deutschland aufstieg und 1914 rund 8000 Beschäftigte zählte. In der Nachbarstadt Linden fertigte die 1871 aus der Maschinenfabrik Georg Egestorff von 1835 hervorgegangene Hannoversche Maschinenbau AG, ab 1904 kurz Hanomag genannt, Dampflokomotiven für die deutschen Staatsbahnen. Die Einwohnerzahl Hannovers stieg von 87.600 im Jahr 1871 auf über 100.000 im Jahr 1873 und erreichte 1912 rund 313.400; 1872 fuhr die erste Pferdebahn, ab 1893 die elektrische Straßenbahn, 1883 wurde Hannover kreisfreie Stadt. Als Linden 1920 eingemeindet wurde, wuchs die Stadt um weitere rund 80.000 Einwohner — das Kaiserreich hatte aus der Residenz der Welfen eine industrielle Großstadt und eine der wichtigsten Garnisonen Norddeutschlands gemacht.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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