Karlsruhe, seit 1771 Residenz der wiedervereinigten Markgrafschaft Baden und ab 1806 Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums, nahm im Deutschen Kaiserreich eine doppelte Stellung ein: Die Stadt war Sitz des Großherzogs und der badischen Staatsverwaltung — und zugleich Sitz des Generalkommandos des XIV. Armee-Korps. Dieses Korps war am 30. September 1870 während des Krieges gegen Frankreich aufgestellt worden und fasste die badischen Truppenteile zusammen; nach Kriegsende wurde es zum 1. Juli 1871 neu errichtet. Erster Kommandierender General war August von Werder, der das Korps bis 1879 führte. Dem Generalkommando in Karlsruhe unterstanden 1914 die 28. Division mit Sitz in Karlsruhe und die 29. Division in Freiburg im Breisgau.
Die staatsrechtliche Grundlage der Garnison unterschied Baden von den übrigen süddeutschen Königreichen. Mit der am 25. November 1870 in Versailles unterzeichneten Militärkonvention wurde die badische Armee nach deren Artikel 1 „unmittelbarer Bestandtheil“ der königlich-preußischen Armee. Baden gab damit seine Militärhoheit endgültig an Preußen ab — anders als Bayern und Württemberg, die eigene Kontingente mit eigener Militärhoheit behielten, und anders als Sachsen mit seinem geschlossenen Armeekorps. Gleichwohl blieben badische Eigenheiten gewahrt: Die Regimenter führten weiterhin die Landesbezeichnung, etwa „1. Badisches Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109“, behielten ihre Fahnen und Standarten mit dem Greif des Landeswappens, und die Korpsnummer XIV verblieb bei den badischen Truppen. Die Eidesverhältnisse waren gestuft: Unteroffiziere und Mannschaften standen zum Großherzog, die Offiziere unmittelbar zum preußischen König und Deutschen Kaiser in Pflicht.
Als Garnison beherbergte Karlsruhe 1914 einen dichten Bestand an Kommandobehörden und Truppen. Neben dem Generalkommando hatten das Kommando der 28. Division sowie die Stäbe der 55. Infanterie-Brigade, der 28. Kavallerie-Brigade und der 28. Feldartillerie-Brigade ihren Sitz in der Stadt. Ältester und bekanntester Verband war das 1. Badische Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109, gegründet am 23. März 1803 und seit dem 30. Januar 1851 in Karlsruhe garnisoniert. Hinzu kamen das 1. Badische Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20, das 1850 errichtete Feldartillerie-Regiment „Großherzog“ (1. Badisches) Nr. 14 mit Kaserne in Gottesaue sowie das 1899 aus Abgaben dieses Regiments gebildete 3. Badische Feldartillerie-Regiment Nr. 50. Das Badische Train-Bataillon Nr. 14 lag im benachbarten Durlach. Bei der Mobilmachung am 2. August 1914 rückten die Karlsruher Verbände mit dem XIV. Armee-Korps ins Feld.
Das militärische Baugeschehen prägte ganze Stadtviertel. Bereits 1843 war in der späteren Weststadt die Dragonerkaserne für das Leib-Dragoner-Regiment Nr. 20 entstanden. Zwischen 1893 und 1897 folgte an der Moltkestraße nach Plänen des Garnisonbauinspektors Georg Jannasch die Grenadierkaserne für das Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109, ein rund fünf Hektar großes Areal. Die Artilleriekaserne an der Moltkestraße 8 wurde in zwei Bauabschnitten 1905/06 und 1914 bis 1916 für das Feldartillerie-Regiment Nr. 50 errichtet; im Herbst 1906 bezog die I. Abteilung die fertiggestellten Gebäude. Die 1892 eröffnete Kadettenanstalt verstärkte den Garnisonscharakter zusätzlich.
Nach dem Ersten Weltkrieg endete die Garnisonsgeschichte des Kaiserreichs abrupt: Das Leib-Grenadier-Regiment wurde 1919 aufgelöst, Karlsruhe lag fortan in der entmilitarisierten Zone des Versailler Vertrags. Die Grenadierkaserne diente ab 1920 der Landespolizei und Gewerbebetrieben, von 1952 bis 1991 der französischen Garnison als „Quartier General Pagezy“ und ist seit 1993 Behördenzentrum des Landes Baden-Württemberg, unter anderem mit Zollfahndungsamt, Landesmedienzentrum und einer Außenstelle der Denkmalpflege. Das an die Gefallenen des Regiments erinnernde Leibgrenadierdenkmal ist als Kulturdenkmal geschützt.
Die Stadt selbst erlebte im Kaiserreich einen tiefgreifenden Wandel. Die Einwohnerzahl stieg von rund 37.000 im Jahr 1871 auf über 100.000 um 1901, womit Karlsruhe Großstadt wurde, und erreichte bis Kriegsende 1918 etwa 142.000. Träger dieses Wachstums war die Industrialisierung mit Schwerpunkten in Metallverarbeitung und Maschinenbau; zu den Rüstungsbetrieben zählten die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken. Ab 1890 entstand in der Oststadt ein eigenes Industriegebiet, 1901/02 der Rheinhafen, 1913 der an den Stadtrand verlegte neue Hauptbahnhof. Geistiges Zentrum blieb das 1825 von Großherzog Ludwig I. gegründete Polytechnikum, die Keimzelle der späteren Technischen Hochschule und heutigen Universität. Residenz, Hochschule, Industrie und Garnison verbanden sich so zu dem Profil, das Karlsruhe bis 1918 kennzeichnete.
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