Garniſon Köln

Königreich Preußen
🎈 Heeresstandort und Luftschiffertruppe

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer, Luftschiffertruppe

Koordinaten

50.9384° N, 6.9600° O

Heutiger Name

Köln

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Über die Garniſon Köln

Köln war im Deutschen Kaiserreich die bedeutendste Stadt der preußischen Rheinprovinz und zugleich eine der größten Festungen des Reiches. Nach dem Übergang des Rheinlands an Preußen im Jahr 1815 begann ab 1816 der Ausbau eines inneren Festungsgürtels aus detachierten Forts und Lünetten beiderseits des Rheins; die ungeraden Fortnummern folgten 1841 bis 1847, die rechtsrheinischen Werke bei Deutz 1857 bis 1863. Mit rund 42,5 Kilometern Umfang und 182 Einzelwerken galt die Festung Köln als die wohl größte Festungsanlage im Deutschen Reich. Nach dem Krieg von 1870/71 kam in den Jahren 1873 bis 1880 ein äußerer Festungsgürtel mit zwölf Hauptwerken und 23 Zwischenwerken hinzu. Bereits 1886 war dieser Ring durch die Entwicklung der Brisanzgranate technisch überholt; zwischen 1905 und 1914 wurde er durch betonierte Unterstände verstärkt, sodass die Zahl der Anlagen auf 177 anwuchs.

Militärisch gehörte Köln zum Bereich des VIII. Armee-Korps, dessen Generalkommando in Koblenz stand. In Köln selbst hatte der Stab der 15. Division seinen Sitz, der dort bis zur Auflösung 1919 verblieb. Ebenfalls in Köln standen die Stäbe der 15. Kavallerie-Brigade und der 15. Feldartillerie-Brigade. Zur Kölner Garnison zählten nach der Friedensgliederung von 1914 unter anderem das 5. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 65 in Riehl, das Kürassier-Regiment „Graf Geßler“ (Rheinisches) Nr. 8 in Deutz, Teile des Schleswig-Holsteinischen Fußartillerie-Regiments Nr. 9 sowie die Festungs-Maschinengewehr-Abteilung Nr. 2. Dazu kamen mit dem Luftschiffer-Bataillon Nr. 3 und dem Flieger-Bataillon Nr. 3 zwei Verbände der jungen Lufttruppen.

Das Stadtbild prägten neben den Forts zahlreiche Kasernenbauten. Für das Infanterie-Regiment Nr. 65 entstand 1910 bis 1912 die Kaserne an der Boltensternstraße in Riehl, in der das gesamte Regiment zusammengezogen wurde; die Kürassiere lagen im rechtsrheinischen Deutz. Die Militärringstraße, die die Werke des äußeren Gürtels verband, ist mit rund 21 Kilometern bis heute die längste Straße Kölns. Vom inneren Gürtel blieben mehrere Werke erhalten: Fort X am Neusser Wall mit Kernwerk, Kasematten und Gräben, Fort I am Oberländer Wall im heutigen Friedenspark sowie Fort VI in Lindenthal, das seit 1983 Künstlerateliers beherbergt. Das Zwischenwerk VIIIb in Marienburg gilt als das am besten erhaltene Werk und beherbergt seit 2004 das Kölner Festungsmuseum.

Ein Kapitel für sich ist der Luftschiffhafen in Bickendorf. Zwischen Venloer Straße und Ossendorfer Weg errichtete die Firma MAN bis Mai 1909 eine große Luftschiffhalle, die drei Luftschiffen Platz bot. Im August 1909 traf das Militärluftschiff Z II (LZ 5) in Köln ein, wurde jedoch bereits 1910 bei Limburg durch eine Sturmböe zerstört. Ein aus Berlin verlegtes Vorauskommando der Luftschiffertruppe war zunächst im Fort IV in Bocklemünd untergebracht; aus ihm wurde am 1. Oktober 1911 das Luftschiffer-Bataillon Nr. 3 gebildet. Der erste Spatenstich für die zugehörige Luftschifferkaserne an der Frohnhofstraße in Ossendorf erfolgte am 1. Juni 1913. Nach 1918 dienten die Kasernengebäude als Wohnraum; 1971 wurden sie abgerissen.

Auch als Stadt erlebte Köln im Kaiserreich einen tiefgreifenden Wandel. Die Einwohnerzahl stieg von 129.233 im Jahr 1871 auf 516.527 im Jahr 1910. Möglich wurde dieses Wachstum erst durch die Entfestigung des inneren Rings: Nach 1881 fiel die mittelalterliche Stadtmauer, auf dem frei werdenden Gelände entstand die Neustadt mit ihren Ringstraßen, gesichert durch eine neue innere Umwallung von 1882 bis 1891, in die die Forts I, IX, X und XI einbezogen wurden. Die Eingemeindung der Vororte am 1. April 1888 brachte rund 85.000 zusätzliche Einwohner; zwischen 1885 und 1895 verdoppelte sich die Bevölkerung von etwa 160.000 auf 320.000. Weitere Eingemeindungen folgten 1910 und 1914. Handel und Industrie am Rhein sowie die Eisenbahnknoten machten die Stadt zu einem der wichtigsten Wirtschaftszentren Westdeutschlands.

Im Ersten Weltkrieg blieben die Werke der Festung Köln bis Kriegsende besetzt, ein Angriff auf die Stadt fand nicht statt. Der Versailler Vertrag verpflichtete Deutschland nach 1919, die Befestigungsanlagen auf beiden Seiten des Rheins zu beseitigen; die Schleifung erfolgte in den 1920er Jahren. Oberbürgermeister Konrad Adenauer erreichte, dass zahlreiche Werke erhalten blieben und die Festungsrayons ab 1924 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zum inneren und äußeren Kölner Grüngürtel umgestaltet wurden — die Grünanlagen, die das heutige Stadtbild prägen, gehen damit unmittelbar auf die Garnisons- und Festungsstadt des Kaiserreichs zurück.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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