Magdeburg war seit 1816 Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen und Sitz des Regierungsbezirks Magdeburg. Diese Stellung als Verwaltungszentrum behielt die Stadt über die Reichsgründung von 1871 hinaus bis zum Ende der Monarchie. Militärisch kam ihr besonderes Gewicht zu: Das 1818 errichtete IV. Armee-Korps verlegte sein Generalkommando 1848 von Berlin nach Magdeburg. Dem Korps unterstanden 1914 die 7. Infanterie-Division mit Stab in Magdeburg und die 8. Infanterie-Division in Halle an der Saale. Kommandierender General, Generalstab sowie die Stäbe der 13. Infanterie-Brigade, der 7. Kavallerie-Brigade und der 7. Feldartillerie-Brigade hatten ihren Sitz in der Elbestadt, die damit das militärische Zentrum des Raumes zwischen Altmark, Börde und Harz bildete.
Als Festung blickte Magdeburg auf eine lange Geschichte zurück; 1806 galt sie als stärkste Festung Preußens. Nach den Napoleonischen Kriegen wurde die Anlage umfassend modernisiert. Der Eisenbahnanschluss — die Strecke nach Leipzig wurde 1840 eröffnet — erzwang eigene Eisenbahntore in den Wällen; bis 1873 entstanden insgesamt acht. Ab 1866 legte die preußische Militärverwaltung einen Gürtel von vierzehn Forts in 1000 bis 3000 Metern Abstand zur Kernfestung an, der ab 1890 durch acht Zwischenwerke verstärkt wurde. Die Stadt war damit noch im Kaiserreich eine der großen Gürtelfestungen an der Elbe.
Zugleich wurde die enge Umwallung für die wachsende Industriestadt zum Hindernis. Eine Kabinettsorder vom 8. Dezember 1886 leitete den Rückbau ein; ab 1888 fielen die Stadttore. Die Kabinettsorder vom 23. Januar 1900 hob die Festungseigenschaft der Kernfestung auf und gab das Wallgelände zum Verkauf frei. Der Abbruch zog sich über Jahrzehnte hin: Das Fort Stern wurde 1903 beseitigt, die Zitadelle auf der Elbinsel folgte 1922. Die Entfestigung öffnete den Ring um die Altstadt und schuf Raum für Straßenzüge, Parkanlagen und neue Stadtviertel, während Teile der Westfront der Festung erhalten blieben.
Von den Militärbauten der Festungszeit ist einiges bis heute sichtbar. Die zwischen 1863 und 1865 erbaute Defensionskaserne Mark, ausgelegt für bis zu 800 Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 26, dient seit 2002 als Kulturzentrum unter dem Namen „Festung Mark“. Gut erhalten sind ferner der Kavalier V und das Ravelin II, das seit 2015 durch einen Sanierungsverein touristisch erschlossen wird, außerdem die in eine Parkanlage einbezogene Bastion Braunschweig. Vom Fortgürtel bestehen unter anderem das Fort VI und das Zwischenwerk VIa fort; das Zwischenwerk IVa wird heute als Ökozentrum genutzt. Fünf Forts wurden dagegen restlos beseitigt, weitere Anlagen gingen nach 1945 verloren.
Die Friedensgarnison des Jahres 1914 umfasste neben dem Generalkommando und den genannten Stäben vor allem die beiden Infanterie-Regimenter der 13. Brigade: das Infanterie-Regiment „Fürst Leopold von Anhalt-Dessau“ (1. Magdeburgisches) Nr. 26 und das 3. Magdeburgische Infanterie-Regiment Nr. 66. Hinzu traten das Feldartillerie-Regiment „Prinzregent Luitpold von Bayern“ (Magdeburgisches) Nr. 4, das Fußartillerie-Regiment Nr. 4, das Pionier-Bataillon Nr. 4 und das Train-Bataillon Nr. 4. Die Kavallerie der 7. Kavallerie-Brigade lag dagegen außerhalb der Stadt: das Magdeburgische Husaren-Regiment Nr. 10 in Stendal, das Ulanen-Regiment Nr. 16 in Salzwedel und Gardelegen.
Wirtschaftlich zählte Magdeburg im Kaiserreich zu den bedeutendsten Industriestädten Preußens. Das 1855 von Hermann Gruson in Buckau gegründete Werk stieg mit Hartgussverfahren, Panzertürmen und Geschützen zum zweitgrößten Waffenproduzenten Deutschlands nach Krupp in Essen auf; 1886 wurde es Aktiengesellschaft, 1893 übernahm es die Friedrich Krupp AG als Grusonwerk. Daneben standen Maschinenbauunternehmen wie Schäffer & Budenberg (gegründet 1850) und die 1862 eröffnete Fabrik von Rudolf Ernst Wolf. Die Zuckerrübenwirtschaft der Magdeburger Börde machte die Stadt zum Mittelpunkt der europäischen Zuckerindustrie; die 1843 wiederbelebte Börse erlangte im Zuckerhandel Weltgeltung neben Paris und London, und der 1886 begonnene, 1893 eröffnete Handelshafen diente vor allem dem Umschlag von Zucker und Salz. Die Einwohnerzahl stieg von 84.401 (1871) auf 279.629 (1910); die Schwelle zur Großstadt überschritt Magdeburg 1882, kräftig vergrößert durch die Eingemeindungen von Neustadt 1886 und Buckau 1887.
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