Garniſon München

Königreich Bayern
Heeresstandort

Königreich

Bayern

Truppengattung

Heer

Koordinaten

48.1371° N, 11.5754° O

Heutiger Name

München

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Über die Garniſon München

München nahm unter den Garnisonsstädten des Deutschen Kaiserreichs eine Sonderstellung ein. Die Stadt war Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Bayern, Sitz der Staatsregierung und des Landtags — und zugleich das Kommandozentrum einer Armee, die es in dieser Form in keinem anderen Bundesstaat gab. Denn Bayern unterhielt auch nach der Reichsgründung von 1871 eine eigene Armee mit eigenem Kriegsministerium in München, eigenem Generalstab und eigener Militärjustiz. Wer in München Soldat war, diente dem bayerischen König, nicht dem preußischen Kaiser.

Grundlage dieser Sonderstellung waren die Reservatrechte, die sich Bayern in der Reichsverfassung von 1871 gesichert hatte, insbesondere hinsichtlich der Wehrhoheit. Die bayerischen Truppen blieben von der durchlaufenden Nummerierung des Reichsheeres ausgenommen und unterstanden im Frieden dem bayerischen König; erst im Kriegsfall gingen sie auf den Kaiser als Bundesfeldherrn über — ein wesentlicher Unterschied zur dauerhaften Unterordnung der übrigen Kontingente unter Preußen. Auch äußerlich blieb die Eigenständigkeit sichtbar: Die bayerische Infanterie trug hellblaue Uniformen und den charakteristischen Raupenhelm; erst mit der feldgrauen Uniform verschwanden diese Unterschiede bis auf Kokarde und weiß-blaue Kragenborten. Die Armee gliederte sich in drei Armeekorps mit sechs Divisionen, deren erstes — das I. Königlich Bayerische Armee-Korps — sein Generalkommando in München hatte; die weiteren standen in Würzburg und Nürnberg.

Die bekannteste Militäranlage der Stadt war die Türkenkaserne in der Maxvorstadt, begrenzt von Türken-, Barer, Theresien- und Gabelsbergerstraße. Ihr Grundstein wurde am 14. Juli 1823 gelegt; bis 1826 waren rund 529 761 Gulden verbaut. Hier lagen das Infanterie-Leib-Regiment (bis 1918), das 1. Infanterie-Regiment „König“ sowie das 2. Infanterie-Regiment „Kronprinz“, das in den 1890er Jahren in einen Neubau verlegt wurde. Nach 1920 nutzte die Bayerische Landespolizei die Anlage; im Zweiten Weltkrieg teilzerstört, wurde sie in den 1970er Jahren abgebrochen. Erhalten blieb nur das denkmalgeschützte Türkentor — auf dem Gelände stehen heute die Pinakothek der Moderne, das Museum Brandhorst und Universitätsbauten.

Die größte jemals in München errichtete Kaserne war die Maximilian-II-Kaserne in Neuhausen nahe dem Übungsgelände Oberwiesenfeld, erbaut 1860 bis 1864 mit Erweiterungen bis 1877. Sie beherbergte zwei Feldartillerieregimenter der 1. Feldartillerie-Brigade, die 1. Trainabteilung und ab 1877 die königlich-bayerische Equitationsanstalt, die Reitschule der Armee. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, ist das Areal heute mit Wohn- und Gewerbebauten überbaut; ein Denkmal erinnert an die Artillerieverbände. Daneben prägten weitere Anlagen das militärische München: die Marsfeldkaserne (erbaut 1887–1898, erweitert 1910), die alte Schwere-Reiter-Kaserne in der Isarvorstadt (1811–1817 errichtet, 1953 abgebrochen), die Luitpoldkaserne von 1896 an der Infanteriestraße sowie die Prinz-Leopold-Kaserne von 1902 in Schwabing-West.

Prominentester Verband der Garnison war das Königlich Bayerische Infanterie-Leib-Regiment, 1814 als Grenadier-Garde-Regiment errichtet und Hausregiment der bayerischen Könige. Im Krieg von 1870/71 rückte es mit 66 Offizieren und 2 879 Mann aus und focht bei Wörth und Sedan. Das Generalkommando des I. Armee-Korps, 1869 im Zuge der bayerischen Heeresreform neu errichtet, führte im Frieden die 1. Division in München und die 2. Division in Augsburg. Mit der Mobilmachung am 1. August 1914 trat das Korps zur 6. Armee unter Kronprinz Rupprecht von Bayern und kämpfte in Lothringen, vor Verdun — wo es 1916 über 15 000 Mann verlor — und 1918 an der Somme. Das Leib-Regiment wurde nach dem Waffenstillstand am 28. November 1918 demobilisiert und aufgelöst.

Die Garnison wuchs mit einer Stadt, die sich im Kaiserreich grundlegend wandelte. Zählte München 1871 noch 169 693 Einwohner, waren es 1900 bereits 499 932 und 1910 schließlich 596 467 — München war damit die drittgrößte Stadt des Reichs nach Berlin und Hamburg. Eingemeindungen wie Schwabing (1890) und Milbertshofen (1913) erweiterten das Stadtgebiet. In der Prinzregentenzeit galt München als Kunststadt von europäischem Rang: Die Akademie zog Maler aus ganz Europa an, Schwabing wurde zum Künstlerviertel, während Brauereien und eine wachsende Industrie die wirtschaftliche Grundlage bildeten. Militär, Hof und Kunst bestimmten gemeinsam das Gesicht der bayerischen Hauptstadt — bis Revolution und Kriegsende 1918 sowohl der Monarchie als auch der eigenständigen Bayerischen Armee ein Ende setzten.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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