Nürnberg nahm innerhalb der Bayerischen Armee eine herausgehobene Stellung ein: Am 1. April 1900 wurde das III. Königlich Bayerische Armee-Korps gebildet und sein Generalkommando in Nürnberg errichtet. Der Korpsbezirk umfasste im Wesentlichen Mittelfranken und die Oberpfalz mit angrenzenden Gebieten; unterstellt waren 1914 die 5. Division mit Sitz in Nürnberg und die 6. Division in Regensburg. Auch der Stab der 5. Division lag ab 1901 dauerhaft in der Stadt, dazu die 9. Infanterie-Brigade, die 5. Kavallerie-Brigade und die 6. Feldartillerie-Brigade sowie eine Landwehrinspektion und das Bezirkskommando. Die alte Reichsstadt war damit das militärische Zentrum Frankens.
Die Bayerische Armee war dabei keine preußische Einrichtung, sondern eine eigenständige Streitmacht: Bayern hatte sich in der Reichsverfassung von 1871 weitgehende Reservatrechte in der Wehrhoheit gesichert. Das Königreich unterhielt ein eigenes Kriegsministerium und eine eigene Militärgerichtsbarkeit; im Frieden unterstand das Heer dem König von Bayern, erst im Kriegsfall trat es unter den Oberbefehl des Deutschen Kaisers als Bundesfeldherrn. Die Armee gliederte sich in drei Armeekorps mit Generalkommandos in München, Würzburg und — als jüngstem — Nürnberg. Selbst in Äußerlichkeiten wie den Chevaulegers-Regimentern und eigenen Traditionsbezeichnungen blieb die bayerische Eigenart erkennbar.
Ältester Nürnberger Truppenkörper war das Königlich Bayerische 14. Infanterie-Regiment „Hartmann“, 1814 in Aschaffenburg als 14. Infanterie-Linien-Regiment aufgestellt. Ab 1851 wurde es bataillonsweise nach Nürnberg verlegt und nach dem Krieg von 1866 geschlossen in der Stadt einquartiert; 1867 erhielt es mit Generalleutnant Jakob Ritter von Hartmann als Inhaber seinen endgültigen Namen. Die Reiterei stellte das 1682 errichtete 1. Chevaulegers-Regiment, das seit 1894 den Namen „Kaiser Nikolaus von Rußland“ führte und seit 1882 seinen Friedensstandort in Nürnberg hatte. Jüngste Formation war das am 1. Oktober 1900 in Nürnberg aufgestellte 8. Feldartillerie-Regiment, das ab 1913 den Namen des Prinzen Heinrich von Preußen trug.
Dem wachsenden Truppenbestand entsprach ein Kranz von Kasernenbauten. Die Infanteriekaserne an der Fürther Straße in Gostenhof wurde nach zweijähriger Bauzeit 1886 vom 14. Infanterie-Regiment bezogen — ein dreiflügeliger Backsteinbau in nüchternen klassizistischen Formen, wie er als Typenbau mehrfach in Bayern errichtet wurde. Die Chevaulegers lagen mit rund 600 Pferden an der Bärenschanzstraße, wo eine große Reithalle entstand; die ältere Deutschhauskaserne stand auf dem Gelände des heutigen Polizeipräsidiums, weitere Infanterie- und Artillerieanlagen entstanden bei Großreuth bei Schweinau. Vom einstigen Bestand ist wenig geblieben: Viele Unterkünfte wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Kaserne an der Fürther Straße nach Kriegsschäden und Zwischennutzungen abgebrochen — dort steht heute der 2015 vollendete IT-Campus der DATEV, während zwei Militärbauten des 19. Jahrhunderts an der Adam-Klein-Straße erhalten sind. Die Reithalle an der Bärenschanzstraße beherbergt heute Loftwohnungen.
Die Garnison stand in einer Stadt, die sich im Kaiserreich rasant wandelte. Zählte Nürnberg am 1. Dezember 1871 noch 83.214 Einwohner, so waren es 1910 bereits 333.142 — eine Vervierfachung binnen vier Jahrzehnten. Getragen wurde dieser Aufstieg von der Industrie: vom Maschinenbau der späteren Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), von der Elektrotechnik der Schuckert-Werke, die in der Siemens-Schuckertwerke aufgingen, von der Bleistiftfertigung des Hauses Faber und von der weltbekannten Spielwarenindustrie, die Nürnberg zum Zentrum auch der Modelleisenbahnfertigung machte. An die technische Pionierrolle der Stadt erinnerte dabei stets die Erinnerung an das Jahr 1835, als mit dem „Adler“ die erste deutsche Eisenbahn für den Personenverkehr von Nürnberg nach Fürth fuhr.
Im August 1914 endete die Friedenszeit der Garnison. Das III. Armee-Korps rückte im Verband der 6. Armee unter Kronprinz Rupprecht von Bayern nach Lothringen aus und kämpfte später unter anderem 1916 an der Somme und 1917 in Flandern. Das 14. Infanterie-Regiment trat mit 70 Offizieren und 3000 Mann ins Feld; bis Kriegsende verlor es 83 Offiziere und rund 2630 Mann an Gefallenen. Das 1. Chevaulegers-Regiment rückte mit 26 Offizieren und 506 Mann Gefechtsstärke aus. In Nürnberg wurden bei der Mobilmachung zusätzlich die Reserve-Infanterie-Regimenter 20 und 23 aufgestellt. Mit dem Ende der Monarchie 1918/19 wurden die bayerischen Verbände aufgelöst; das Generalkommando in Nürnberg bestand bis zur Auflösung 1919.
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