Stettin war seit 1815 Hauptstadt der preußischen Provinz Pommern und zugleich deren militärisches Zentrum. Die Garnisonstradition reichte weit zurück: Bereits mit der Verlegung des altpreußischen Infanterieregiments No. 7 war die Oderstadt zur preußischen Garnisonstadt geworden, und 1851 richtete die Preußische Marine hier eine Marineschule ein. Übergeordnete Bedeutung erhielt der Standort durch das Generalkommando des II. Armee-Korps, das 1820 bei der Teilung des Armee-Korps in Brandenburg und Pommern entstanden war. Sein Hauptquartier lag ab 1837 in Stettin, kehrte zeitweilig nach Berlin zurück und residierte nach 1870 wieder dauerhaft an der Oder — bis zur Auflösung des Korps im Jahr 1919. Auch der Stab der 3. Division stand bis 1919 in Stettin.
In das Kaiserreich trat Stettin noch als Festung ein, deren enger Wallgürtel die Entwicklung der rasch wachsenden Handelsstadt spürbar hemmte. 1873 setzte die Stadt die Anordnungen des Kriegsministeriums zur Aufhebung der Festungseigenschaft um; die Schleifung der Werke wird mit dem Jahr 1875 angegeben. Auf den freigewordenen Flächen entstanden großzügige Stadterweiterungen nach Pariser Vorbild mit breiten Boulevards und Ringstraßen. Das Gelände des Fort Wilhelm wurde dem Mietwohnungsbau überlassen, auf dem Areal des Fort Leopold entstand von 1902 bis 1921 die Hakenterrasse mit ihren drei monumentalen Großbauten zwischen Oderufer und Grabower Anlagen — bis heute das bekannteste Bauensemble der Stadt. 1898 eröffnete Kaiser Wilhelm II. zudem den Stettiner Freihafen.
Vom militärischen Stettin haben sich im heutigen Szczecin sichtbare Spuren erhalten. Das Kasernenareal des Grenadier-Regiments Nr. 2 lag im Süden der Innenstadt im Bereich der heutigen Straßen Potulicka, Narutowicza und Kopernika. Die Victoria-Kaserne an der einstigen Friedrichstraße, der heutigen ulica Narutowicza, blieb in Teilen erhalten; in ihren Gebäuden arbeitet heute unter anderem die Fakultät für Recht und Verwaltung der Universität Szczecin. Die Garnisonkirche der Stadt, die Bugenhagenkirche, dient als katholische Kirche św. Wojciecha weiter dem Gottesdienst; das Füsilier-Regiment Nr. 34 enthüllte auf seinem Kasernengelände 1924 ein Denkmal für die Gefallenen. Auch das Gebäude der Marineschule von 1851 ist erhalten und wird weiterhin für die Ausbildung von Seeleuten genutzt.
Nach der Friedensgliederung von 1914 vereinte Stettin eine bemerkenswerte Dichte an Kommandobehörden und Truppen. Neben dem Generalkommando des II. Armee-Korps und dem Divisionsstab hatten die 5. und 6. Infanterie-Brigade, die 3. Kavallerie-Brigade und die 3. Feldartillerie-Brigade ihren Sitz in der Stadt. An Truppen lagen hier das Grenadier-Regiment „König Friedrich Wilhelm IV.“ (1. Pommersches) Nr. 2, das 1679 aufgestellt worden war, ferner das Füsilier-Regiment „Königin Viktoria von Schweden“ (Pommersches) Nr. 34 mit einem Teil in Swinemünde, das Vorpommersche Feldartillerie-Regiment Nr. 38, das Pommersche Pionier-Bataillon Nr. 2 sowie die Pommersche Train-Abteilung Nr. 2, die später in das benachbarte Altdamm verlegt wurde. Der Korpsbezirk umfasste Pommern und Teile Brandenburgs.
Das zivile Stettin des Kaiserreichs war eine Industrie- und Hafenstadt ersten Ranges. Die 1857 gegründete Stettiner Maschinenbau Actien-Gesellschaft Vulcan im Vorort Bredow zählte zu den führenden Werften Deutschlands: Zwischen 1871 und 1911 liefen dort über 110 Kriegsschiffe vom Stapel, und der Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große“ errang 1897 als erstes deutsches Schiff das Blaue Band. Die Belegschaft wuchs von rund 1.800 Arbeitern um 1870 auf etwa 8.000 im Jahr 1909; 1911 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Hamburg. Daneben prägten die Stettiner Oderwerke und die Automobilfabrik Stoewer die Wirtschaft, der Hafen stieg zum wichtigsten Preußens auf. Die Einwohnerzahl schnellte von 80.972 im Jahr 1875 auf 210.702 um 1900 — begünstigt durch die Eingemeindung von Bredow, Grabow und Nemitz — und erreichte 1910 schließlich 236.113.
Mit der Mobilmachung am 2. August 1914 endete das Friedensbild der Garnison. Das Grenadier-Regiment Nr. 2 kämpfte zunächst in Belgien, unter anderem an der Gete und bei Mons, und stand ab Ende Dezember 1914 an der Ostfront. Ab dem 6. Dezember 1918 wurde es in Stettin demobilisiert und zum 30. September 1919 aufgelöst; im selben Jahr erloschen auch das II. Armee-Korps und die 3. Division. Damit schloss sich die Epoche Stettins als Korpssitz des Kaiserreichs — die Stadt selbst kam 1945 als Szczecin an Polen.
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