Garniſon Straßburg

Reichsland Elsaß-Lothringen
Heeresstandort

Reichsland

Elsaß-Lothringen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

48.5734° N, 7.7521° O

Heutiger Name

Straßburg

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Über die Garniſon Straßburg

Mit dem Frieden von Frankfurt vom 10. Mai 1871 kam Straßburg an das neu gegründete Deutsche Reich und wurde Hauptstadt des Reichslands Elsaß-Lothringen, das keinem Bundesstaat angehörte, sondern unmittelbar dem Kaiser unterstand. Die militärische Sicherung des Reichslands lag überwiegend bei preußischen Truppen: Bereits am 20. März 1871 war aus Abgaben anderer Großverbände der Preußischen Armee das XV. Armee-Korps gebildet worden, dessen Generalkommando bis November 1918 in Straßburg residierte. Erster Kommandierender General war Eduard von Fransecky (1871–1879); in den letzten Jahren führten Berthold von Deimling (1913–1917) und Emil Ilse (1917–1919) das Korps. Nach der Friedensgliederung von 1914 unterstanden ihm die 30. Division in Straßburg und die 39. Division in Colmar.

Dem Übergang an das Reich war die Belagerung von 1870 vorausgegangen. Vom 15. August bis zum 28. September 1870 schloss ein rund 50.000 Mann starkes Belagerungskorps unter General August von Werder die von General Jean-Jacques Uhrich mit etwa 23.000 Mann verteidigte Festung ein. Ab dem 23. August lag die Stadt unter Beschuss: Die Stadtbibliothek mit ihrer wertvollen Handschriftensammlung, darunter der Hortus Deliciarum, verbrannte, rund 500 Häuser wurden vollständig zerstört, und auch das Münster erlitt Schäden an Dach und Fenstern. Bei der Kapitulation am 28. September 1870 gingen etwa 17.000 Mann in Kriegsgefangenschaft; die Festung hatte über rund 800 Geschütze verfügt. Am 30. September zog Werder in die Stadt ein.

Nach 1871 baute das Reich Straßburg neben Metz und Köln zu einer der wichtigsten Festungen an seiner Westgrenze aus. Zwischen 1871/72 und 1882 entstand in acht bis neun Kilometern Abstand vom Stadtkern ein Gürtel von 14 Hauptforts, errichtet als sogenannte Biehlersche Einheitsforts nach dem standardisierten System des Ingenieurgenerals Hans Alexis von Biehler. Als moderne Artilleriemunition die gemauerten Werke entwertete, wurden die Anlagen zwischen 1885 und 1890 mit Beton verstärkt und um fünf Zwischenwerke ergänzt; ab 1893 folgte als jüngstes Werk die Feste Kaiser Wilhelm II. Insgesamt zählte der Festungsgürtel damit 19 Werke.

Die Friedensgarnison von 1914 umfasste neben dem Generalkommando den Stab der 30. Division mit der 60. und der 85. Infanterie-Brigade. In Straßburg lagen unter anderem das 4. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 136, das sächsische Infanterie-Regiment „König Wilhelm II. von Württemberg“ Nr. 105, das 4. Unter-Elsässische Infanterie-Regiment Nr. 143 (mit Teilen in Mutzig) sowie das 2. Rheinische Husaren-Regiment Nr. 9. Hinzu kamen die 30. Feldartillerie-Brigade mit den Feldartillerie-Regimentern Nr. 51 und Nr. 84, das Niedersächsische Fußartillerie-Regiment Nr. 10 als Festungsartillerie, das 1. und 2. Elsässische Pionier-Bataillon, die Elsässische Train-Abteilung Nr. 15 und das Flieger-Bataillon Nr. 4. Für die Truppen entstanden Kasernenbauten wie die Manteuffel-Kaserne, Standort des 3. Unter-Elsässischen Infanterie-Regiments Nr. 138.

Parallel zum Festungsbau wuchs nordöstlich der Altstadt die Neustadt, mit der das Reich die Zugehörigkeit Straßburgs demonstrativ ins Stadtbild schrieb. Zwischen 1870 und 1915 wurde die Stadtfläche nach dem Bebauungsplan des Stadtbaumeisters Jean Geoffroy Conrath verdreifacht. Es entstanden der 1889 von Wilhelm II. eingeweihte Kaiserpalast (heute Palais du Rhin), die Bauten der 1872 gegründeten Kaiser-Wilhelms-Universität unter Universitätsbaumeister Hermann Eggert, die Landes- und Universitätsbibliothek sowie der 1883 eingeweihte Bahnhof nach Plänen von Johann Eduard Jacobsthal. 2017 wurde die Neustadt gemeinsam mit der mittelalterlichen Grande-Île in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Als Hauptstadt, Universitäts-, Garnison- und Brückenstadt am Rhein gegenüber Kehl erlebte Straßburg im Kaiserreich einen kräftigen Aufschwung: Die Einwohnerzahl stieg von rund 80.000 auf etwa 180.000 vor dem Ersten Weltkrieg, der Rheinhafen wurde planmäßig ausgebaut. Nach 1918 fiel die Stadt an Frankreich, die Werke des Gürtels erhielten französische Namen – aus der Feste Moltke wurde Fort Rapp, aus der Feste Bismarck Fort Kléber, aus der Feste Großherzog von Baden Fort Frère. Heute sind die meisten Forts übergrünt, nur vier Werke sind öffentlich zugänglich; ein 85 Kilometer langer Radrundweg verbindet die Anlagen des einstigen Festungsgürtels.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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