Garniſon Stuttgart

Königreich Württemberg
Heeresstandort

Königreich

Württemberg

Truppengattung

Heer

Koordinaten

48.7784° N, 9.1800° O

Heutiger Name

Stuttgart

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Über die Garniſon Stuttgart

Stuttgart nahm unter den Garnisonsstädten des Deutschen Kaiserreichs eine Sonderstellung ein. Die Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Württemberg war nicht nur Standort einzelner Regimenter, sondern Verwaltungszentrum eines eigenständigen Armeekontingents. Hier residierte das württembergische Kriegsministerium, das von 1806 bis 1919 bestand und zuletzt seinen Sitz in der Olgastraße 13 hatte. Ebenfalls in Stuttgart lag von 1871 bis 1914 das Generalkommando des XIII. (Königlich Württembergischen) Armee-Korps, des Korpsverbands, in dem sämtliche württembergischen Truppen zusammengefasst waren. Der Stab der 26. Division (1. Königlich Württembergische) befand sich seit 1817 durchgehend in der Stadt, während die zweite württembergische Division, die 27., ihren Stab in Ulm hatte.

Grundlage dieser Eigenständigkeit war die Militärkonvention mit dem Norddeutschen Bund vom 21./25. November 1870. Württemberg behielt danach, wie Bayern und Sachsen, ein eigenes Kriegsministerium und damit eine militärische Sonderrolle innerhalb des Reiches; sein Kontingent bildete zugleich das XIII. Armee-Korps des deutschen Heeres. Sichtbarer Ausdruck der doppelten Zugehörigkeit war die Nummerierung der Verbände: Das älteste Stuttgarter Infanterieregiment führte die württembergische Zählung als 1. Regiment weiter, erhielt aber am 18. Dezember 1871 die Reichsheernummer 119 und hieß seit dem 14. Dezember 1874 endgültig Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 119 – benannt nach der aus Russland stammenden Gemahlin König Karls.

Die zentrale Kaserne der Stuttgarter Infanterie war der 1827 bis 1843 errichtete Rotebühlbau im Westen der Innenstadt. Die hufeisenförmige Anlage mit jeweils 150 Meter langen Flügeln galt lange Zeit als größte ihrer Art in Deutschland; der Hof diente als Exerzierplatz. Hier lagen die beiden Stuttgarter Infanterieregimenter, das Grenadier-Regiment Nr. 119 und das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württembergisches) Nr. 125, die von dort 1866, 1870 und 1914 ins Feld rückten. Das Gebäude besteht bis heute: Nach Kriegszerstörung wurde der Mittelteil 1948 bis 1952 aufgestockt, 1993 bis 1998 folgte eine umfassende Sanierung; heute beherbergt der Bau die Oberfinanzdirektion und Stuttgarter Finanzämter.

In Bad Cannstatt entstand 1908 bis 1910 auf dem Hallschlag eine neue Kaserne für das Dragoner-Regiment „König“ (2. Württembergisches) Nr. 26, dessen Regimentschef seit 1891 König Wilhelm II. von Württemberg war. Der König wohnte 1910 persönlich der Einweihung bei, das Regiment bezog die Anlage im selben Jahr. Nach 1945 nutzten die US-Streitkräfte das Areal als Wallace Barracks; seit 2001 ist es unter dem Namen Römerkastell zu einem Gewerbe- und Stadtteilzentrum mit Einzelhandel und Gastronomie umgebaut worden.

Nach der Friedensgliederung von 1914 lagen in Stuttgart neben dem Generalkommando des XIII. Armee-Korps und dem Stab der 26. Division die Stäbe der 51. Infanterie-Brigade und der 26. Kavallerie-Brigade sowie die Grenadiere des Regiments Nr. 119 und das Infanterie-Regiment Nr. 125; in Bad Cannstatt stand das Dragoner-Regiment Nr. 26. Die übrigen Verbände des Korps verteilten sich auf württembergische Garnisonen wie Ludwigsburg, Ulm, Heilbronn und Bad Mergentheim. Damit vereinte Stuttgart Kommandobehörden, Militärverwaltung und Truppenstandorte in einer für Mittelstaaten des Reiches charakteristischen Dichte.

Die Garnison war Teil einer rasch wachsenden Residenz- und Industriestadt. Stuttgart zählte 1871 rund 91.600 Einwohner, 1900 bereits etwa 166.700 und nach den Eingemeindungen von Gaisburg (1901), Cannstatt, Untertürkheim und Wangen (1905) sowie Degerloch (1908) im Jahr 1910 rund 286.200. Zugleich wurde der Raum Stuttgart zu einem Zentrum der jungen Automobil- und Elektroindustrie: Robert Bosch gründete 1886 in Stuttgart seine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, die mit dem Magnetzünder für Automobile ab 1897 den Durchbruch erzielte und 1910 ein Zweigwerk in Feuerbach eröffnete. In Cannstatt entstand 1890 die Daimler-Motoren-Gesellschaft, die 1904/05 nach Untertürkheim übersiedelte.

Mit der Mobilmachung im August 1914 rückten die Stuttgarter Verbände aus. Das XIII. Armee-Korps kämpfte zunächst in den Argonnen, 1914/15 in Polen, später in Flandern, an der Somme (1916) und bei Cambrai (1917). Allein das Grenadier-Regiment Nr. 119 verlor im Weltkrieg 3.530 Gefallene und zählte 8.757 Verwundete. Nach Kriegsende wurden die alten Strukturen abgewickelt: 1919 verschmolzen Kriegsministerium und Generalkommando des XIII. Armee-Korps und gingen im August 1919 in der Reichswehrbefehlsstelle Württemberg auf; die Regimenter wurden aufgelöst, ihre Reste in die Reichswehr überführt. Damit endete Stuttgarts Rolle als Hauptstadt eines eigenen deutschen Armeekontingents.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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