Garniſon Wesel

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

51.6577° N, 6.6171° O

Heutiger Name

Wesel

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Über die Garniſon Wesel

Wesel liegt am Niederrhein an der Stelle, an der die Lippe in den Rhein mündet – eine Lage, die den Ort seit jeher zu einem strategischen Schlüsselpunkt machte. Die Stadt blickte dabei auf eine bedeutende bürgerliche Vergangenheit zurück: 1407 wurde Wesel in den Hansebund aufgenommen, 1447 galt es als einer der fünf Vororte des Kölnischen Hanseviertels. Mit dem Übergang an Brandenburg-Preußen trat jedoch die militärische Funktion in den Vordergrund. Auf Befehl des Kurfürsten Friedrich Wilhelm wurde ab 1681 der Umbau der Stadt zur Festung vorangetrieben; Gräben und Bastionen umschlossen fortan die Altstadt. Wesel wurde zur wichtigsten preußischen Rheinfestung am unteren Strom und sicherte den Übergang über Rhein und Lippe.

Kernstück der Anlage war die zwischen 1688 und 1722 nach Plänen von Jean de Corbin und Jean de Bodt errichtete Zitadelle, die in Form eines fünfzackigen Sterns angelegt wurde; jede Zacke bildete eine Bastion, vorgelagert waren fünf Ravelins. Mit der Entstehung der Festung reduzierte sich die Zahl der nach Wesel führenden Stadttore von dreizehn auf vier. Im 19. Jahrhundert zwang die gestiegene Reichweite der Geschütze zur Anlage vorgeschobener Werke: Zwischen 1856 und 1860 entstand das Fort Fusternberg, von 1879 bis 1882 folgte das Fort I. Um 1770 waren zudem die ersten Kasernen innerhalb der Stadt gebaut worden.

Der Festungsring wurde für die Stadt im Kaiserreich zunehmend zur Fessel. Wegen ihrer Rolle als Festungsstadt konnte Wesel trotz günstiger Lage und Infrastruktur wirtschaftlich nicht mit den Städten des rheinisch-westfälischen Industriegebiets konkurrieren. 1886 wurde daher die Entfestigung Wesels beschlossen; 1889 erwarb die Stadt große Teile des Festungsgeländes und gewann durch die Schleifung der Wälle 62 Hektar an Bauland. Von den Toranlagen blieb das repräsentative Berliner Tor (1718–1722) erhalten. Die letzten Befestigungen zum Rhein und zur Lippe hin verschwanden erst mit den Entfestigungsarbeiten der Jahre 1919/1920 nach dem Ersten Weltkrieg.

Als Garnison blieb Wesel bis 1918 von Bedeutung. 1914 hatte die 79. Infanterie-Brigade der 14. Division ihren Sitz in der Stadt. Ihr unterstanden das Infanterie-Regiment „Vogel von Falckenstein“ (7. Westfälisches) Nr. 56, das in Wesel und Kleve lag, sowie das Infanterie-Regiment „Herzog Ferdinand von Braunschweig“ (8. Westfälisches) Nr. 57 mit einer Friedensstärke von 2.364 Mann. Dazu kam die Feldartillerie: Das 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7 hielt seinen Regimentsstab in Wesel, wo zwischen 1891 und 1897 eine neue Kaserne für dessen I. und III. Abteilung errichtet worden war; ferner wird das Clevesche Feldartillerie-Regiment Nr. 43 zu den Weseler Verbänden gezählt. Am 1. Oktober 1899 war überdies die 14. Feldartillerie-Brigade in Wesel aufgestellt worden. Sämtliche Verbände gehörten zum VII. Armeekorps mit Sitz in Münster.

Die Zitadelle selbst diente über zwei Jahrhunderte als Rückgrat der Garnison; Wesel beherbergte bereits ab 1685 zahlreiche preußische Regimenter. Das 1718 von Jean de Bodt errichtete Haupttor ist repräsentativ gestaltet; in seinem südlichen Flügel lag die Gefängniszelle, in der 1809 die elf Schillschen Offiziere auf ihren Prozess warteten. Aus der französischen Besatzungszeit stammen die 1809 erbaute Kaserne No. VIII und die Garnisonsbäckerei, um 1835 kam das Körnermagazin hinzu. Diese Bauten überdauerten Entfestigung und Kriegszerstörung: Heute wird die Zitadelle als Kulturzentrum genutzt und beherbergt das LVR-Niederrheinmuseum, die Musik- und Kunstschule sowie das Stadtarchiv der Stadt Wesel.

Wie stark das Militär das städtische Leben prägte, zeigt schon ein Blick in die friderizianische Zeit: Um 1780 machten Soldaten und ihre Familienangehörigen etwas mehr als die Hälfte der rund 10.000 Stadtbewohner aus. Im Kaiserreich wuchs Wesel nur langsam und zählte 1914 etwa 24.000 Einwohner. In das kollektive Gedächtnis der Stadt hatte sich zudem ein Ereignis der napoleonischen Zeit eingeschrieben: Am 16. September 1809 waren in Wesel elf Offiziere des Schillschen Freikorps hingerichtet worden. An ihrem Hinrichtungsort wurde am 31. März 1835 nach den Plänen Karl Friedrich Schinkels ein Denkmal errichtet, das die Erinnerung an die Schill-Offiziere über das gesamte Kaiserreich hinaus wachhielt und Wesel neben der Festungsgeschichte eine besondere patriotische Note verlieh.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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