Garniſon Graudenz

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

53.4843° N, 18.7533° O

Heutiger Name

Graudenz

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Über die Garniſon Graudenz

Graudenz lag am hohen rechten Ufer der Weichsel in der Provinz Westpreußen, Regierungsbezirk Marienwerder, und wurde 1900 kreisfreie Stadt. Der Ort war Eisenbahnknotenpunkt der Linien Kulmsee–Marienburg und Neustettin–Goßlershausen und verfügte über eine elektrische Straßenbahn; eine Eisenbahnbrücke über die Weichsel band die Stadt an das linke Ufer an. Zwei Faktoren bestimmten das Gesicht der Stadt im Kaiserreich gleichermaßen: die alte Festung auf dem Höhenrand nördlich der Stadt und die große Garnison, die Graudenz neben Danzig und Thorn zu einem der wichtigsten Militärstandorte Westpreußens machte.

Den Kern der Festung bildete die Zitadelle, deren Bau 1776 unter König Friedrich II. begann; die Bauphase dauerte bis 1789. Die Anlage entstand auf einer Hochebene etwa anderthalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt über dem Weichselufer. Ihren Ruhm begründete die Verteidigung von 1807: Vom 22. Januar bis zum 12. Dezember hielt die Garnison unter dem Gouverneur Wilhelm René de l’Homme de Courbière der Belagerung durch napoleonische Truppen stand, während die meisten anderen preußischen Festungen kapitulierten. Als ihm bedeutet wurde, es gebe keinen König von Preußen mehr, antwortete Courbière dem französischen Parlamentär, dem Oberstleutnant Aymé, mit dem überlieferten Satz „il existe encore un Roi de Graudenz“ – es gebe noch immer einen König von Graudenz. Am 21. Juli 1807 wurde Courbière zum Generalfeldmarschall ernannt und Generalgouverneur von Westpreußen; er starb am 23. Juli 1811 in Graudenz und wurde im Festungsgelände bestattet. Seit 1893 trug die Zitadelle ihm zu Ehren den Namen Feste Courbière.

Im Kaiserreich war Graudenz Garnison des XVII. Armee-Korps. Um 1900 lagen in der Stadt die beiden Infanterieregimenter Nr. 129 und Nr. 175, zwei Abteilungen der Feldartillerieregimenter Nr. 35 und Nr. 71, ein Bataillon des Fußartillerieregiments Nr. 15 sowie zwei Schwadronen Jäger zu Pferde. Das 1881 errichtete Infanterie-Regiment Nr. 129 – seit 1902 als 3. Westpreußisches bezeichnet, ab 1916 mit dem Namen „Generalfeldmarschall von Mackensen“ – wurde am 1. April 1903 vollständig in Graudenz zusammengeführt und blieb bis 1914 in der Stadt. Der Stab der 35. Division hatte seinen Sitz in Graudenz, bevor er 1912 nach Thorn verlegt wurde; in Graudenz verblieben die Stäbe der 35. Kavallerie-Brigade und der 35. Feldartillerie-Brigade. Nach der Friedensgliederung von 1914 lagen außerdem Teile des Kulmer Infanterie-Regiments Nr. 141, das Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 4 und das Feldartillerie-Regiment Nr. 71 „Groß-Komtur“ in der Stadt.

Mit dem Eisenbahnanschluss und der festen Weichselquerung wuchs die strategische Bedeutung des Platzes, und die zwischenzeitlich verfallene Festung wurde von 1889 bis etwa 1905/1907 grundlegend modernisiert. Es entstanden die Befestigungsgruppen Großer Pfaffenberg mit fünf Panzerbatterien – ausgestattet mit 15-cm-Haubitzen in Panzertürmen des Grusonwerks –, Infanteriebunkern und Munitionsmagazin sowie Kleiner Pfaffenberg mit weiteren Batterien. Zwischen 1891 und 1909 wurde die Stadt zusätzlich mit einem Ring von Infanteriewerken umgeben, darunter die Werke Böslerhöhe, Neudorf, Parksen, Stadtwald, Tarpen und Wisch. In der Stadt selbst bestanden unter anderem Infanterie-, Artillerie- und Pionierkasernen für die Verbände der Garnison.

Im heutigen Grudziądz ist die Feste Courbière in weiten Teilen erhalten. Die Zitadelle wird bis heute militärisch genutzt und ist deshalb nur eingeschränkt und in der Regel mit Führung zu besichtigen; zugänglich gemacht wurden Teile der Kasematten und des ausgedehnten unterirdischen Gangsystems. Auch von den Werken des Festungsgürtels aus der Kaiserzeit haben sich zahlreiche Anlagen erhalten, von denen einzelne Abschnitte besichtigt werden können.

Die Stadt selbst erlebte im Kaiserreich ein kräftiges Wachstum: Die Einwohnerzahl stieg von 15.559 im Jahr 1871 über 20.385 im Jahr 1890 auf 40.325 im Jahr 1910. Bei der Volkszählung von 1910 gaben 34.193 Einwohner Deutsch, 5.035 Polnisch und neun Kaschubisch als Muttersprache an; konfessionell zählte die Stadt 25.402 Evangelische, 12.623 Katholiken und 698 Juden. Wirtschaftlich stützte sich Graudenz auf Eisengießereien, Maschinenbau, Wagenbau und Textilindustrie. Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrags kam die Stadt 1920 an Polen und trägt seither den Namen Grudziądz.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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