Garniſon Gumbinnen

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

54.6389° N, 22.0149° O

Heutiger Name

Gumbinnen

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Über die Garniſon Gumbinnen

Gumbinnen entstand als planmäßige Gründung des preußischen Landesausbaus im 18. Jahrhundert. Nach der Großen Pest von 1709/11, die weite Teile Ostpreußens entvölkert hatte, förderte König Friedrich Wilhelm I. die Neubesiedelung des Landes; am 24. Mai 1724 verlieh er dem Ort an der Pissa das Stadtrecht. Die Anlage folgte einem regelmäßigen, rechtwinkligen Straßenraster, wie es für die landesherrlich gesteuerten Neustädte jener Zeit kennzeichnend war. Ab 1732 wurde Gumbinnen zu einem Zentrum der Salzburger Exulanten – protestantischer Glaubensflüchtlinge, die auf Einladung des preußischen Königs aus dem Erzstift Salzburg nach Ostpreußen zogen. Die Emigranten prägten das Gemeinwesen dauerhaft; sichtbare Zeugnisse dieses Erbes waren die 1752 errichtete Salzburger Kirche und das Salzburger Hospital, das die Erinnerung an die Herkunft der Zugewanderten wachhielt.

Im Verwaltungsgefüge Preußens nahm Gumbinnen eine hervorgehobene Stellung ein. Die Stadt war Sitz des Regierungsbezirks Gumbinnen, des östlichsten Regierungsbezirks des Deutschen Reiches, und seit 1818 zugleich Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. Als Regierungshauptstadt vereinte sie Behörden, Gerichte und Schulen auf sich und besaß damit ein städtisches Gepräge, das über ihre vergleichsweise geringe Einwohnerzahl hinausreichte. Um 1900 zählte die Stadt einschließlich der Garnison rund 14.000 Einwohner; für 1910 sind 14.540 Einwohner überliefert, darunter 13.679 Evangelische, 533 Katholiken und 149 Juden – ein Bevölkerungsbild, das die evangelisch-protestantische Prägung des ostpreußischen Ostens und das Salzburger Erbe widerspiegelt.

Wirtschaftlich ruhte Gumbinnen auf der Landwirtschaft des umliegenden ostpreußischen Ackerlandes und auf der Pferdezucht, für die die Region weithin bekannt war; das nahe gelegene königliche Hauptgestüt Trakehnen gab dem Umland internationalen Ruf. Daneben verfügte die Stadt über gewerbliche Betriebe – unter anderem Eisengießerei, Maschinenfabrik, Möbelfabrik, Weberei, Dampfsägemühlen, Ziegeleien und eine Molkerei. Den Anschluss an das überregionale Verkehrsnetz brachte die Preußische Ostbahn, die ab 1860 durch Gumbinnen führte und die Regierungsstadt mit Königsberg und dem Reichsgebiet verband. Eisenbahn und Verwaltung machten die Stadt zu einem Knoten- und Ordnungspunkt im dünn besiedelten östlichsten Winkel Preußens.

Die militärische Bedeutung Gumbinnens ergab sich aus seiner Grenzlage. Mit drei großen Kasernen war die Stadt eine bedeutende Garnison der Preußischen Armee. Wichtigster Verband war das Füsilier-Regiment „Graf Roon (Ostpreußisches) Nr. 33, das seit 1889 in Gumbinnen lag; sein III. Bataillon war zeitweise, bis 1890, im benachbarten Goldap untergebracht. Hinzu kamen berittene Truppenteile: Schwadronen des Dragoner-Regiments Nr. 8 sowie Teile der Feldartillerie (Feldartillerie-Regiment Nr. 1). Die Zusammensetzung aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie entsprach der Rolle Gumbinnens als vorgeschobener Standort nahe der russischen Grenze, an dem im Ernstfall der erste Widerstand zu leisten war.

Diese Grenzlage machte Gumbinnen im August 1914 zum Schauplatz einer der ersten großen Feldschlachten des Ostens. Die deutsche 8. Armee unter Generaloberst Maximilian von Prittwitz und Gaffron stand der russischen 1. Armee (Njemen-Armee) unter General Paul von Rennenkampf gegenüber. Am 20. August 1914 ging die 8. Armee bei Gumbinnen zum Angriff über. Während das I. Armee-Korps unter Hermann von François am Nordflügel Erfolge erzielte, geriet das XVII. Armee-Korps unter August von Mackensen unter das schwere Feuer der russischen Artillerie und erlitt hohe Verluste; seine Verbände wurden zurückgeworfen.

Für die deutsche Seite endete der Tag als Rückschlag: Der überstürzt geführte Angriff blieb ohne Entscheidung, und Prittwitz ordnete daraufhin – auch angesichts der von Süden heranrückenden russischen 2. Armee unter Samsonow – den Rückzug an. Die Folgen reichten weit über das Gefecht hinaus. Am 22. August 1914 wurden Prittwitz und sein Generalstabschef Waldersee ihres Kommandos enthoben. Die neue Führung aus Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff verwarf den Rückzugsplan und schlug stattdessen die heranrückende 2. Armee – der Weg führte unmittelbar zur Schlacht bei Tannenberg Ende August 1914. Die Schlacht bei Gumbinnen wurde damit zum Auslöser jener Umbesetzung, aus der einer der bekanntesten deutschen Erfolge des Ersten Weltkriegs hervorging.

Von der Garnisons- und Regierungsstadt des Kaiserreichs ist heute wenig unmittelbar Fortbestehendes erhalten. Nach 1945 kam die Stadt an die Sowjetunion und wurde in Gussew umbenannt; sie ist heute eine Rajonstadt im Kaliningrader Gebiet. Die städtebauliche Grundstruktur der planmäßigen Anlage sowie einzelne historische Bauten überdauerten, während die deutsche Bevölkerung nach Kriegsende nahezu vollständig verschwand und der Ort eine neue, sowjetisch geprägte Gestalt annahm.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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