Garniſon Mainz

Großherzogtum Hessen
Heeresstandort

Großherzogtum

Hessen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

49.9995° N, 8.2736° O

Heutiger Name

Mainz

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Über die Garniſon Mainz

Mainz nahm unter den Garnisonsstädten des Deutschen Kaiserreichs eine Sonderstellung ein. Die Stadt gehörte seit 1816 zum Großherzogtum Hessen und blieb es bis 1918 — die Festung aber unterstand nicht der hessischen Regierung. Nach dem Krieg von 1866 wurde Mainz zunächst preußische Festung, 1873 dann Festung des Deutschen Reiches. An der Spitze stand ein Militär-Gouvernement mit Gouverneur und Festungskommandant, das durchweg mit preußischen Generalen besetzt war; zu den Amtsinhabern zählten unter anderem Paul von Collas (1898–1903) und bei Kriegsausbruch 1914 Hugo von Kathen. Auch die großherzoglich hessischen Truppenteile der Garnison standen seit der Militärkonvention von 1867 unter preußischem Kommando.

Baulich zehrte die Reichsfestung vom Erbe der alten Bundesfestung: Zitadelle, Rheinkehle und ein mehrfacher Gürtel vorgeschobener Werke wie Fort Weisenau, Fort Joseph und Fort Gonsenheim. Nach 1871 verschob sich das strategische Gewicht an die neue Reichsgrenze zur Festung Metz, doch wurde Mainz weiter ausgebaut. Als letztes großes Einzelwerk entstand 1880–1884 das Fort Biehler auf dem Petersberg am rechten Rheinufer. Zugleich begann der Rückbau nach innen: Bereits 1872 wurde die Neustadterweiterung genehmigt und der nördliche Bastionsgürtel abgetragen, eine Kaiserliche Kabinettsorder vom 18. März 1904 verfügte die Auflassung der Nordwestfront.

Die Antwort auf die gestiegene Reichweite der Artillerie war ein vierter, weit vorgeschobener Ring: Ab 1909 entstand die Selzstellung, die sich in rund 26 Kilometern Umkreis durch die rheinhessischen Ortschaften von Heidesheim und Wackernheim über Ober-Olm bis Weisenau zog. Mit etwa 318 Bunkern war sie als nicht armierte Gerippestellung ständiger Bauart angelegt, die erst im Kriegsfall besetzt werden sollte. Werke wie das Fort Muhl verfügten über elektrisches Licht, Ofenheizung, einen Operationssaal und Wasservorräte für 291 Soldaten über 90 Tage.

Das Stadtbild prägten zahlreiche Kasernen. Das Infanterie-Leibregiment Nr. 117 lag zunächst in der Schloßkaserne von 1840, die 1903/04 abgerissen wurde, und bezog um 1904 die neu erbaute Alicekaserne an der Goethestraße. Das Infanterie-Regiment Nr. 87 belegte die Eisgrub-Kaserne, eine Defensionskaserne der alten Festung, das Infanterie-Regiment Nr. 88 die Elisabethen-Kaserne „An der Goldgrube“ in der Oberstadt; die Dragoner lagen an der Mombacher Straße. Von der Festung selbst sind heute die Zitadelle auf dem Jakobsberg, das Gauttor, mehrere Kasernenbauten und unterirdische Gänge erhalten; viele Wallanlagen wurden nach 1918 in die Grünanlagen des Mainzer Grüngürtels umgewandelt.

Die Friedensgarnison von 1914 war gemischt zusammengesetzt. In Mainz standen das Infanterie-Leibregiment „Großherzogin“ (3. Großherzoglich Hessisches) Nr. 117, das 1. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 87 und das 2. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 88, dessen II. Bataillon in Hanau lag; die Nassauer gehörten zur 21. Division des XVIII. Armeekorps in Frankfurt am Main. Hinzu kamen das Fußartillerie-Regiment „General-Feldzeugmeister“ (Brandenburgisches) Nr. 3, seit 1889 dauerhaft mit Mainz verbunden, sowie das Magdeburgische Dragoner-Regiment Nr. 6, das 1905 im Standorttausch mit den 13. Husaren nach Mainz kam und das letzte in der Stadt garnisonierte Kavallerieregiment blieb. Am 2. August 1914 wurden die Verbände mobilgemacht.

Für die Stadt selbst war die Festung Segen und Korsett zugleich. Solange der Festungsgürtel die Bebauung begrenzte, kam Mainz kaum über 30.000 Einwohner hinaus; erst die ab 1872 angelegte Neustadt — die Militärverwaltung gab 25 Hektar Bauland und 122 Hektar Privatbesitz frei — löste einen Bauboom der Gründerzeit aus. Ab 1886 verstärkte sich die Bautätigkeit weiter, der Hauptbahnhof wurde ins Lauterenviertel verlegt. Zwischen 1850 und 1900 verdoppelte sich die Einwohnerzahl mehr als, 1908 überschritt Mainz die Schwelle von 100.000 Einwohnern und wurde Großstadt. Rhein, Handel und die große Garnison blieben bis zum Ende des Kaiserreichs die tragenden Säulen des städtischen Lebens.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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