Allenstein, gelegen an der Alle im südlichen Ermland Ostpreußens, war im Deutschen Kaiserreich zunächst eine Kreis- und Verwaltungsstadt von mittlerer Größe. 1905 wurde sie Sitz des neu gebildeten Regierungsbezirks Allenstein und damit zum administrativen Mittelpunkt des katholisch geprägten Ermlands. Militärisch trat die Stadt erst spät in den vordersten Rang: Am 1. Oktober 1912 wurde das XX. Armee-Korps errichtet, dessen Generalkommando seinen Sitz in Allenstein nahm. Damit wurde die Stadt in ihren letzten Friedensjahren zum Kommandozentrum eines der jüngsten Korps der preußischen Armee.
Dem XX. Armee-Korps waren im Frieden zwei Divisionen unterstellt: die 37. Division mit Stab in Allenstein und die 41. Division mit Stab im westlich gelegenen Deutsch-Eylau. Die Stellung Allensteins als Korps- und Divisionssitz zog einen raschen Ausbau der militärischen Anlagen nach sich. Neben dem Generalkommando waren in der Stadt auch die 37. Kavallerie-Brigade und die 37. Feldartillerie-Brigade untergebracht, ferner eine Landwehr-Inspektion. Für die Unterbringung der Truppen entstanden mehrere Kasernenkomplexe, die das Stadtbild bis heute prägen.
Zur Friedensgliederung der 37. Division gehörten 1914 mehrere Verbände, die konkret in Allenstein lagen. Als Infanterie waren das 1. Masurische Infanterie-Regiment Nr. 146 und das 1. Ermländische Infanterie-Regiment Nr. 150 in der Stadt stationiert. Die berittene Waffe stellte das Dragoner-Regiment „König Albert von Sachsen“ (Ostpreußisches) Nr. 10, die Artillerie das 1. Masurische Feldartillerie-Regiment Nr. 73. Weitere Regimenter der Division – etwa das 2. Masurische Infanterie-Regiment Nr. 147 sowie das 2. Ermländische Infanterie-Regiment Nr. 151 – lagen in anderen ostpreußischen Städten wie Lyck, Lötzen, Sensburg und Bischofsburg.
Die Stärke der Garnison lässt sich an den amtlichen Bevölkerungszahlen ablesen. Für 1900 wird die Einwohnerzahl mit rund 24.300 einschließlich der Garnison angegeben, für 1910 mit etwa 33.100, wobei die Garnison mit 5.108 Mann beziffert wird. In gut einem Jahrzehnt wuchs Allenstein damit erheblich, und der militärische Bevölkerungsanteil bildete einen spürbaren Teil der Stadtgesellschaft.
Von den Kasernenanlagen sind mehrere bis heute in Olsztyn erhalten. Die Dragonerkaserne, in der das Dragoner-Regiment Nr. 10 lag, liegt rechts der Alle hinter Schloss und Bahnlinie; ihr weitläufiger Komplex wird gegenwärtig im Rahmen eines langfristigen Vorhabens revitalisiert, mit dem Schwerpunkt auf Kultur und Bildung – vorgesehen ist unter anderem die Unterbringung einer Bibliothek. Die Artilleriekaserne auf dem gegenüberliegenden Alle-Ufer war bis in die 1990er Jahre von der polnischen Armee genutzt und dient heute überwiegend gewerblichen Zwecken.
Als Verwaltungs- und Garnisonsstadt profitierte Allenstein von seiner Lage im ostpreußischen Verkehrsnetz. 1893 an die Eisenbahn angeschlossen, entwickelte sich die Stadt zu einem Knotenpunkt mehrerer Strecken, was ihre Bedeutung als militärischer Standort zusätzlich unterstrich. Diese Verkehrsanbindung war auch von strategischem Wert, als sich Ende August 1914 in unmittelbarer Nähe die Schlacht bei Tannenberg entschied.
Die Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914 fand im Raum südwestlich von Allenstein statt; ihr Schwerpunkt lag um Hohenstein (Olsztynek). Die deutsche 8. Armee unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff schloss die russische 2. Armee unter Alexander Samsonow ein und fügte ihr eine schwere Niederlage zu. Das in Allenstein beheimatete XX. Armee-Korps unter Friedrich von Scholtz band dabei in hinhaltenden Abwehrkämpfen erhebliche russische Kräfte. Von der deutschen Presse zunächst als „Schlacht bei Allenstein“ bezeichnet, wurde das Ereignis auf Betreiben Hindenburgs in Anlehnung an das Jahr 1410 in „Schlacht bei Tannenberg“ umbenannt.
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