Rastenburg, das heutige Kętrzyn im nordöstlichen Polen, entstand als Grenzort des Deutschen Ordens im südlichen Ostpreußen. Die Komturei Balga legte um 1329 an der Guber zunächst eine hölzerne Burg an, die als Vorposten gegen litauische Einfälle diente. Nach Zerstörungen in den 1340er Jahren wurde die Anlage an neuer Stelle in Stein wiedererrichtet. Im Jahr 1357 erhielt der Ort das Stadtrecht nach kulmischem Recht. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Rastenburg zu einer wohlhabenden Handels- und Ackerbürgerstadt; im 17. Jahrhundert zählte es zu den bedeutenderen Städten des Herzogtums beziehungsweise Königreichs Preußen. Der Erwerbscharakter blieb lange von Handwerkern, Kaufleuten und Ackerbürgern bestimmt, also von Bürgern, die neben ihrem städtischen Gewerbe eigene Feldwirtschaft betrieben.
Das Stadtbild wurde durch die Ordensburg und die spätgotische Pfarrkirche geprägt. Die steinerne Ordensburg entstand in ihrer festen Gestalt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, teils aus Feldsteinen errichtet, und wurde über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Unweit davon steht die St.-Georgs-Kirche, deren Bau bis in das frühe 15. Jahrhundert zurückreicht und die mit ihrem hohen Wehrturm zugleich Teil der städtischen Befestigung war. Burg und Kirche bildeten gemeinsam mit den Stadtmauern ein wehrhaftes Ensemble, das bis heute den Kern von Kętrzyn kennzeichnet.
Militärisch trat Rastenburg im Kaiserreich vor allem als Standort des Grenadier-Regiments „König Friedrich der Große“ (3. Ostpreußisches) Nr. 4 hervor, das am 1. Mai 1626 aufgestellt worden war und damit zu den ältesten Verbänden der brandenburgisch-preußischen Armee zählte. Das Regiment gehörte im Frieden zum Verband des I. Armee-Korps mit Sitz in Königsberg. Nach der Standortliste lag es ab 1898 in Rastenburg in Garnison. Mit der Mobilmachung im August 1914 rückte das Regiment innerhalb der 3. Infanterie-Brigade, der 2. Infanterie-Division, des I. Armee-Korps und der 8. Armee ins Feld; zusätzlich stellte es ein Ersatzbataillon zu vier Kompanien sowie zwei Rekruten-Depots auf.
Für die Unterbringung der Garnison wurde in Rastenburg eine Kaserne errichtet. Der Bau begann 1897 und war zum 1. Oktober 1898 abgeschlossen, womit der Zuzug des Grenadier-Regiments in die Stadt zusammenfiel. Über die genaue bauliche Ausdehnung und den heutigen Erhaltungszustand der Kasernenbauten liegen in den herangezogenen Quellen keine belastbaren Angaben vor. Erhalten und öffentlich zugänglich ist dagegen die Ordensburg, die heute das Regionalmuseum von Kętrzyn beherbergt und in ihrer gotischen Grundgestalt bewahrt ist; auch die St.-Georgs-Kirche mit ihrem rund 48 Meter hohen Wehrturm besteht fort.
Als Kreisstadt des Kreises Rastenburg war die Stadt Verwaltungs- und Wirtschaftsmittelpunkt eines agrarisch geprägten Umlandes. Die Einwohnerzahl stieg im 19. Jahrhundert deutlich an: 1858 zählte Rastenburg 4.769 Einwohner, 1900 rund 11.144 (darunter 1.826 Militärpersonen) und 1905 bereits 11.889. Für 1910 sind 11.945 Zivileinwohner sowie zusätzlich 1.836 Militärpersonen überliefert. Konfessionell überwog die evangelische Bevölkerung deutlich; 1905 wurden 907 Katholiken und 138 Juden gezählt. Der Kreis Rastenburg war sprachlich fast durchgängig deutsch geprägt.
Wirtschaftlich brachte der Anschluss an die Eisenbahn den entscheidenden Schub. 1867/68 wurde Rastenburg über die Bahnstrecke Königsberg–Lyck an das Netz der Ostpreußischen Südbahn angebunden; ab 1898 erschlossen Kleinbahnen das Umland. In der Folge entstanden neben der bestehenden Ackerbürger- und Handwerkerwirtschaft eine Zuckerfabrik, eine Brauerei und ein Mühlenwerk; die Maschinenfabrik von Rudolf Lentz beschäftigte zeitweise bis zu 350 Personen. Bei Kriegsbeginn geriet die Stadt in unmittelbare Frontnähe: Ende August 1914 wurde Rastenburg im Rahmen der russischen Offensive in Ostpreußen für kurze Zeit besetzt, ehe die deutsche Front nach den Kämpfen des Spätsommers wiederhergestellt wurde. (Als moderne Ortsnote: Das heutige Kętrzyn liegt nahe dem Gelände der erst im Zweiten Weltkrieg errichteten „Wolfsschanze“, die mit dem Kaiserreich nichts zu tun hat.)
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