Garniſon Elbing

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

54.1561° N, 19.4045° O

Heutiger Name

Elbing

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Über die Garniſon Elbing

Elbing, das heutige Elbląg, lag im Königreich Preußen, in der Provinz Westpreußen und dort im Regierungsbezirk Danzig. Die Stadt liegt am gleichnamigen Fluss, etwa acht Kilometer vor dessen Mündung in das Frische Haff, rund fünfzig Kilometer ostsüdöstlich von Danzig. Eine gelegentlich anzutreffende Zuordnung zu Lübeck ist unzutreffend: Elbing gehörte weder zur Hansestadt noch zum lübeckischen Staat, sondern war eine preußische Stadt. Nach der Kreisreform von 1874 bildete Elbing einen eigenen Stadtkreis und unterstand nicht mehr dem Landratsamt. Ihre Wurzeln reichen als alte Hanse- und Ordensstadt weit in das Mittelalter zurück; im Kaiserreich war sie zugleich eine der bedeutendsten Industriestädte des preußischen Ostens.

Prägend für die Stadt waren die Schichau-Werke. Ferdinand Schichau gründete am 4. Oktober 1837 in Elbing eine Maschinenbauanstalt, aus der die spätere F. Schichau GmbH hervorging. Ab 1859 kam der Lokomotivbau hinzu, überwiegend für die preußischen Staatseisenbahnen: 1891 verließ die 500. Lokomotive das Werk, acht Jahre später die 1000., und 1912 wurde die 2000. Lokomotive ausgeliefert. Das Unternehmen blieb ein privater Familienbetrieb, der nach Schichaus Tod über seinen Schwiegersohn Carl Heinz Ziese weitergeführt wurde.

Internationale Bedeutung erlangte die Werft durch den Torpedobootbau. Von 1877 an fertigte Schichau Kriegsschiffe für die Marine und für den Export; 1884 bestellte die Kaiserliche Marine des Deutschen Reichs bei der Elbinger Werft die erste Serie kleiner Torpedoboote, beginnend mit dem Boot S 1. Bis 1918 entstanden bei Schichau insgesamt 483 Torpedoboote und Zerstörer, davon 333 für die kaiserliche Marine. 1889 kam eine Ausrüstungsstelle in Pillau, 1891 eine zweite, größere Werft in Danzig hinzu, auf der auch größere Kriegsschiffe gebaut werden konnten. Die Werft war ein privater Rüstungs- und Schiffbaubetrieb im Auftrag der Marine; stationierte Marineeinheiten unterhielt Elbing nicht.

Militärisch war Elbing eine Heeresgarnison. 1914 lag hier das I. Bataillon des 5. Westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 148. Das 1897 aufgestellte Regiment war auf mehrere Standorte verteilt; sein Stab und weitere Bataillone lagen in Bromberg und in Braunsberg. Der Verband gehörte zur 74. Infanterie-Brigade, zur 41. Division und zum XX. Armee-Korps mit Generalkommando in Allenstein — nicht, wie zuweilen angenommen, zum XVII. Armee-Korps in Danzig. Im Ersten Weltkrieg wurde in Elbing zudem ein Ersatz-Bataillon des Regiments Nr. 148 aufgestellt.

Die militärische und industrielle Nutzung hat im Stadtbild von Elbląg Spuren hinterlassen. Kasernenbauten des Kaiserreichs blieben teilweise erhalten und wurden später weitergenutzt; die Stadt war bereits im Kaiserreich und erneut in den 1930er Jahren eine bedeutende Garnison. Die großen Werftanlagen am Fluss überstanden das Kriegsende 1945 nur teilweise; der Betrieb der Familie Schichau verlagerte sich 1945 nach Bremerhaven. In Elbląg besteht der Schiffbau- und Maschinenbaustandort jedoch bis in die Gegenwart fort, unter anderem als Nachfolgebetrieb im Turbinen- und Schwermaschinenbau.

Als Stadt des Kaiserreichs wuchs Elbing rasch: 1900 zählte sie 52.518 Einwohner, 1905 rund 55.657 und lag damit unter den größten Städten des Deutschen Reichs, 1910 waren es 58.636 Einwohner, davon 45.638 Evangelische und 10.819 Katholiken. Der Hafen an der Verbindung zum Frischen Haff und zur Ostsee war Grundlage für Handel und Schiffbau. Eine kulturtechnische Besonderheit der Region ist der von 1840 bis 1858 nach Plänen des Königlich-Preußischen Baurats Georg Steenke angelegte Oberländische Kanal zwischen Deutsch Eylau, Osterode und Elbing, dessen Geneigte Ebenen Schiffe über Rollwagen auf Schienen zwischen unterschiedlichen Wasserständen befördern und bis heute in Betrieb sind.

In der Summe war Elbing eine westpreußische Industrie- und Garnisonsstadt, deren Bild von der Verbindung aus Hansetradition, Eisenbahn- und Schiffbau und einer Infanteriegarnison des XX. Armee-Korps bestimmt wurde. Ihre überregionale Bekanntheit verdankte sie weniger dem Militär als den Schichau-Werken, die von Elbing aus die Torpedoboottechnik der Kaiserlichen Marine wesentlich mitprägten.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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