Die Stadt Marienburg lag an der Nogat, dem östlichen Mündungsarm der Weichsel, rund 45 Kilometer südöstlich von Danzig im Weichseldelta. Namensgebend und weithin bestimmend war die Ordensburg, die der Deutsche Orden ab etwa 1270 auf dem hohen Ostufer des Flusses errichtete. Von 1309 bis 1454 residierten hier die Hochmeister des Deutschordensstaats; Siegfried von Feuchtwangen hatte den Hauptsitz des Ordens 1309 von Venedig an die Nogat verlegt. Die Anlage aus Hoch-, Mittel- und Vorburg gilt mit rund 21 Hektar Fläche und einer auf etwa 30 Millionen geschätzten Zahl verbauter Ziegel als größter Backsteinbau Europas. Die Stadt selbst wuchs im Schutz und Schatten der Burg und blieb über Jahrhunderte an den Übergang über die Nogat gebunden.
Nach den Teilungen Polens kam Marienburg an Preußen und gehörte ab 1815 zum Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen. Im 19. Jahrhundert rückte die verfallende Ordensburg in den Rang eines nationalen Denkmals. Bereits ab 1817 begannen unter Leitung des Oberpräsidenten Theodor von Schön Instandsetzungsarbeiten, an denen auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt war; diese frühe Phase wird als Zeit der romantischen Restaurierung bezeichnet. Eine systematische, bauforschend gestützte Wiederherstellung setzte jedoch erst mit Conrad Steinbrecht (1849–1923) ein.
Steinbrecht wurde im April 1882 mit der Wiederherstellung der Schlosskirche betraut und leitete in der Folge über mehr als drei Jahrzehnte die Erforschung und Rekonstruktion der Anlage. Er vermaß, zeichnete und beschrieb die erhaltenen Ordensbauten in Ost- und Westpreußen und ließ die Marienburg abschnittsweise wiederherstellen: die Hochburg bis 1896, die Gästekammern um 1900, das Große-Komtur-Haus bis 1906, die Infirmerie bis 1913 und den Großen Remter bis 1917. Die Außenanlagen folgten bis 1918. Wegen seiner Verdienste galt Steinbrecht als Retter der Marienburg; abgeschlossen wurde die Rekonstruktion erst 1922, ein Jahr vor seinem Tod. Die restaurierte Burg diente dem Kaiserreich als bildmächtiger Erinnerungsort deutscher Ordensgeschichte.
Militärisch war Marienburg im Kaiserreich Garnisonstadt. 1914 lag hier der Stab der 74. Infanterie-Brigade, die zur 41. Division im XX. Armee-Korps gehörte; der Divisionsstab befand sich im benachbarten Deutsch-Eylau. Der Brigade unterstand das Deutschordens-Infanterie-Regiment Nr. 152, das 1897 aufgestellt wurde und in Marienburg sowie mit einem Bataillon in Stuhm stationiert war. Das zweite Regiment der Brigade, das 5. Westpreußische Infanterie-Regiment Nr. 148, lag dagegen in Elbing und Braunsberg, das der Division zugeordnete Dragoner-Regiment Nr. 10 in Allenstein. In Marienburg selbst war damit vor allem das Regiment Nr. 152 präsent.
Für die Unterbringung von Truppenteilen wurden leerstehende Räume des Hoch- und Mittelschlosses zu Kasernenzwecken umgebaut; zeitgenössisch ist eine Kaserne 152 im Schlossbereich belegt. Die Verbindung von militärischer Nutzung und denkmalpflegerischer Wiederherstellung prägte den Ort im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. 1945 wurde die Burg während der Kämpfe zu etwa 60 Prozent zerstört; Stadt und Burg fielen an Polen, und die Stadt heißt seither Malbork. Ab 1946 begann der polnische Staat mit der schrittweisen Wiederherstellung. Seit dem 7. Dezember 1997 gehört die Marienburg zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Die Stadt entwickelte sich im Kaiserreich zu einem wichtigen Verkehrs- und Wirtschaftsplatz. Als Kreisstadt war sie Eisenbahnknoten mehrerer Staatsbahnlinien; die erste Bahnverbindung nach Elbing und Dirschau bestand seit 1857, später kamen Strecken unter anderem nach Deutsch-Eylau, Thorn, Allenstein und Mlawa hinzu. Die Bevölkerung wuchs von 8.219 Einwohnern im Jahr 1867 auf 10.279 (1890) und rund 13.000 um 1905. An Industrie sind unter anderem eine Zuckerfabrik sowie Maschinen-, Tonwaren-, Seifen- und weitere Fabriken belegt; ein Gymnasium bestand seit 1860. Marienburg verband so die Rolle als Garnison und Nogat-Übergang mit der eines regionalen Verwaltungs-, Bildungs- und Wirtschaftszentrums.
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