Garniſon Potsdam

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

52.4009° N, 13.0591° O

Heutiger Name

Potsdam

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Über die Garniſon Potsdam

Keine Stadt des Deutschen Kaiserreichs war so eng mit dem preußischen Militär verbunden wie Potsdam. Seit König Friedrich Wilhelm I., dem „Soldatenkönig“, war die Stadt bevorzugter Garnisonsstandort der Krone; er ließ die Garnisonkirche errichten und gründete das Militärwaisenhaus in der Breiten Straße, in dem Kinder von Militärangehörigen verpflegt, unterrichtet und ausgebildet wurden. Nach der Reichsgründung 1871 blieb Potsdam zweite Residenz der Hohenzollern neben Berlin und zugleich Standort ausgewählter Verbände des Gardekorps, der Elitetruppe der preußischen Armee. Die Nähe von Hof, Schlössern und Truppe verlieh der Stadt ihren besonderen Charakter: Paraden, Wachaufzüge und der Dienst der Leibregimenter gehörten zum Alltag der Residenz.

Die Jahrzehnte zwischen Reichsgründung und Erstem Weltkrieg brachten Potsdam stetiges Wachstum und umfassende Modernisierung. Die Einwohnerzahl stieg von 43.784 im Jahr 1871 über 54.125 (1890) und 59.796 (1900) auf 62.243 im Jahr 1910. Ab 1876 arbeitete das städtische Wasserwerk, 1889 ging in der Berliner Vorstadt das erste Klärwerk in Betrieb, 1902 folgte das Elektrizitätswerk, 1906 die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf elektrischen Betrieb. Die 1879 eröffnete Pferdebahn wurde ab 1907 elektrifiziert, die Glienicker Brücke 1906/07 als Stahlkonstruktion neu errichtet. Seit 1911 verfügte Potsdam über einen Luftschiffhafen an der Pirschheide – ein Zeichen dafür, dass die alte Residenz Anschluss an das technische Zeitalter hielt.

Das militärische Rückgrat der Stadt bildeten ihre Kasernen. Das 1. Garde-Regiment zu Fuß bezog ab 1866 die umgebaute ehemalige Gewehrfabrik (errichtet 1776–1780); in den Jahren 1864/65 entstand daraus ein geschlossener Kasernenkomplex an der Priesterstraße, gegenüber der Garnisonkirche und schräg gegenüber dem Stadtschloss, in dem das Regiment bis 1885 vollständig zusammengezogen wurde. Der Gebäudekomplex an der heutigen Henning-von-Tresckow-Straße 2–13 beherbergt heute Landesministerien und das Polizeipräsidium; eine Ausstellung erinnert an das dort nach 1918 stationierte Infanterie-Regiment 9, aus dem zahlreiche Verschwörer des 20. Juli 1944 hervorgingen. In der Jägervorstadt entstand ab 1861/62 die Garde-Ulanen-Kaserne an der Jägerallee 23, im normannischen Burgenstil erbaut und bis 1880 vollendet; nach 1920 Polizeiunterkunft und bis 1991 von den sowjetischen Streitkräften genutzt, dient sie heute unter anderem einem Oberstufenzentrum und dem Kunsthaus Potsdam. Das Garde-Jäger-Bataillon lag an der Ecke Türkstraße und Berliner Straße.

Die in Potsdam versammelten Garde-Verbände zählten zu den vornehmsten der Armee. Das 1. Garde-Regiment zu Fuß, seit 1810 in der Stadt, war das Leibregiment der preußischen Könige; der jeweilige Monarch führte es als Regimentschef, zugleich als Bataillons- und Kompaniechef der 1. Kompanie. Das Regiment der Gardes du Corps, 1740 von Friedrich II. gestiftet und seit 1753 in Potsdam garnisoniert, stellte als Kürassierregiment die Leibwache des Königs; 1913 diente in ihm außer den Ärzten und Veterinären kein einziger bürgerlicher Offizier. Hinzu kamen das 1744 begründete Garde-Jäger-Bataillon (seit 1818 in Potsdam), das Leib-Garde-Husaren-Regiment (gestiftet 1815, ab 1829 in Potsdam; Wilhelm II. ernannte sich 1888 selbst zum Regimentschef) sowie das 1. und das 3. Garde-Ulanen-Regiment.

Weithin sichtbares Zeichen der Militär- und Residenzstadt war die Garnisonkirche. Der 1731–1735 nach Plänen Philipp Gerlachs errichtete Bau galt als Hauptwerk des preußischen Barocks; sein 88 Meter hoher Turm mit dem Glockenspiel beherrschte die Stadtsilhouette. In der Kirche ruhten Friedrich Wilhelm I. (seit 1740) und Friedrich der Große (seit 1786). Unter Wilhelm II. wurde das Innere 1897–1899 neobarock umgestaltet; als Hof- und Garnisonkirche blieb sie geistlicher Mittelpunkt der Potsdamer Truppen. Beim Luftangriff vom 14./15. April 1945 brannte die Kirche aus, 1968 ließ die DDR die Ruine sprengen. Seit 2017 wird der Turm wieder aufgebaut; die Nagelkreuzkapelle wurde 2024 eröffnet.

Als Hofstadt lebte Potsdam wesentlich von Residenz und Garnison, entwickelte aber im Kaiserreich auch eigene wirtschaftliche Kraft: 1879 wurde das Kaufhaus M. Hirsch gegründet, 1899 nahm die Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel die Arbeit auf, 1911/12 begann im benachbarten Nowawes die Filmproduktion, aus der später die Babelsberger Studios hervorgingen. Für die Garde-Regimenter entstanden neue Kasernenbauten, dazu Kaiserliche Oberpostdirektion und Regierungsgebäude. Im Neuen Palais unterzeichnete Wilhelm II. am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1914 die Generalmobilmachung. Der Krieg beendete die Epoche der Residenz- und Gardestadt: 1.664 Potsdamer fielen, die Garde-Regimenter wurden 1918/19 demobilisiert und aufgelöst, und mit der Abdankung des Kaisers verlor die Stadt Hof und Garnisonsglanz zugleich.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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