Garniſon Spandau

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

52.5358° N, 13.1978° O

Heutiger Name

Spandau

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Über die Garniſon Spandau

Spandau war im Kaiserreich keine Vorstadt Berlins, sondern eine eigenständige preußische Stadt an der Mündung der Spree in die Havel — seit dem 1. April 1887 sogar eigener Stadtkreis, ausgeschieden aus dem Kreis Osthavelland. Militärisch reichte die Tradition weit zurück: Bereits 1626, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde in Spandau eine Garnison stationiert. Mit dem Reichsfestungsgesetz vom 30. Mai 1873 wurde der Festungsstatus fortgeführt und mit Reichsmitteln zeitgemäß ausgebaut; von 1882 bis 1886 entstand westlich der Stadt das Fort Hahneberg als Vorfeste. Die Kehrseite trug die Bevölkerung: Die Rayonbestimmungen untersagten die Bebauung bis zu einer Entfernung von über 1300 Metern vor den Festungswällen und schnürten die wachsende Stadt jahrzehntelang ein. Erst am 27. Januar 1903 wurde die Befestigung — mit Ausnahme der Zitadelle und des Fort Hahneberg — aufgelassen.

Wahrzeichen des Festungsplatzes war und ist die Zitadelle, errichtet zwischen 1557 und 1594 nach Plänen des Italieners Francesco Chiaramella de Gandino, ab 1578 unter Rochus Graf zu Lynar vollendet — eine der besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance in Europa. In ihrem ältesten Bauwerk, dem rund 30 Meter hohen Juliusturm, verwahrte das Deutsche Reich seit Juli 1874 den Reichskriegsschatz: 1200 mit Goldmünzen gefüllte Kisten im Wert von 40 Millionen Talern, also 120 Millionen Mark, entnommen den Kontributionszahlungen Frankreichs aus dem Frieden von Frankfurt 1871. Der Schatz sollte die nächste Mobilmachung finanzieren und wurde 1913 auf 360 Millionen Goldmark erhöht; mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wurde er seiner Bestimmung zugeführt.

Neben der Festung machte vor allem die staatliche Rüstungsproduktion Spandau zum wichtigsten Waffenplatz Preußens. Den Grundstock legte die 1722 auf dem sogenannten Plan östlich der Zitadelle errichtete Gewehrfabrik; im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen Feuerwerkslaboratorium, Pulverfabrik, Geschützgießerei, Zündspiegelfabrik, Artilleriewerkstatt sowie Munitions-, Patronen- und Geschoßfabrik hinzu. In der Gewehrfabrik entstanden nacheinander das Zündnadelgewehr, das Gewehr 88 und ab 1898 das Gewehr 98, die Standardwaffe des Heeres im Ersten Weltkrieg. Der Krieg trieb die Werke zu äußerster Ausdehnung: Die Gesamtzahl der Beschäftigten der Spandauer Rüstungsbetriebe, die 1910 noch 10.000 betragen hatte, stieg bis 1918 auf 70.000 Menschen.

Mit dem Ortsnamen verbunden blieb vor allem das Maschinengewehr 08, eingeführt im Jahr 1908. Da die Spandauer Gewehrfabrik zu den größten Herstellern zählte, trugen die meisten dieser Waffen den Fertigungsstempel „Spandau“, woraus sich der Spitzname „Spandau-MG“ entwickelte. Bei Kriegsbeginn 1914 besaß das deutsche Heer 4.919 Stück MG 08; im Stellungskrieg erwies sich die Waffe als prägend für die gesamte Kriegsführung.

Als Garnison gehörte Spandau zum Raum des Gardekorps. Seit 1897 lagen hier zwei Garde-Infanterieregimenter: das 5. Garde-Regiment zu Fuß, zunächst in einer Kaserne an der Ringchaussee, später in der Moritzstraße untergebracht, und das Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5, dessen Stab, I. Bataillon sowie 5. und 6. Kompanie in der Stresow-Kaserne I quartierten; ab dem 1. Oktober 1913 bezog dessen neu errichtetes Füsilier-Bataillon eine Kaserne am Exerzierplatz neben dem Festungsgefängnis. Beide Regimenter bildeten die 5. Garde-Infanterie-Brigade der 2. Garde-Division. Am 2. August 1914 machten sie mobil; das 5. Garde-Regiment zu Fuß rückte im Verbund mit der 3. Garde-Division in das neutrale Belgien ein und kämpfte anschließend an der West- und Ostfront.

Festung, Werkstätten und Garnison prägten auch die städtische Entwicklung. Die Einwohnerzahl stieg von 19.008 im Jahr 1871 über 65.030 im Jahr 1900 auf 84.855 im Jahr 1910; im Kriegsjahr 1917 lebten rund 110.000 Menschen in der Stadt. Nach der Aufhebung des Festungsstatus 1903 wurde das Umland für private Industrie attraktiv: Siemens & Halske expandierte auf Spandauer Gebiet, seit 1914 trägt die Werkssiedlung den Namen Siemensstadt. Das Ende des Kaiserreichs beendete auch die Sonderstellung der Stadt: Die Gewehrfabrik stellte 1919 gemäß den Beschränkungen des Versailler Vertrages die Waffenproduktion ein und ging in den Deutschen Industriewerken auf; am 1. Oktober 1920 verlor Spandau die kommunale Selbständigkeit und wurde als achter Bezirk Teil Groß-Berlins.

Von der militärischen Vergangenheit ist heute vor allem die Zitadelle erhalten, die zu den bedeutendsten Renaissancefestungen Europas zählt. Im Zeughaus zeigt seit 1992 das Stadtgeschichtliche Museum Spandau seine Sammlungen, seit 2016 ergänzt um die Dauerausstellung „Enthüllt — Berlin und seine Denkmäler“; der Juliusturm kann über 153 Stufen bestiegen werden, und die Festungsanlage dient als Ort für Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen. Das 1903 vom Abbruch ausgenommene Fort Hahneberg blieb als Zeugnis des Festungsbaus des späten 19. Jahrhunderts bestehen.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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