Garniſon Thorn

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

53.0138° N, 18.5984° O

Heutiger Name

Thorn

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Über die Garniſon Thorn

Thorn, das heutige Toruń, lag an der Weichsel in der Provinz Westpreußen und war seit der Zweiten Teilung Polens 1793 preußisch. Im Deutschen Kaiserreich kam der Stadt eine doppelte Rolle zu: Sie war bedeutender Umschlagplatz des Weichselhandels und Eisenbahnknoten an der Preußischen Ostbahn mit Verbindungen nach Posen und Insterburg — und zugleich eine der großen Grenzfestungen gegen das Russische Reich, dessen Grenze nur wenige Kilometer weichselaufwärts verlief. Zusammen mit Graudenz und Kulm bildete Thorn den befestigten Riegel an der unteren Weichsel.

Bereits ab 1818 hatte Preußen die mittelalterlich ummauerte Stadt systematisch zur Festung ausgebaut, zunächst mit Lünetten (1822–1836), dem Jakobsfort als Zitadelle an der Ostseite (1828–1833) und einem Brückenkopf am Südufer (1824–1828). Die entscheidende Erweiterung folgte nach dem Deutsch-Französischen Krieg: 1872 ordnete der preußische Generalstab den Ausbau zur Gürtelfestung an. In einer ersten Bauetappe entstanden 1873 bis 1884 acht Forts nach den Plänen von Hans Alexis von Biehler, in einer zweiten Etappe 1887 bis 1893 sieben weitere, verstärkt ausgeführte Forts.

Der äußere Festungsring erreichte damit einen Umfang von rund 22 Kilometern; die 15 Artillerieforts lagen drei bis vier Kilometer von der Innenstadt entfernt. Jedes Fort konnte 650 bis 800 Mann aufnehmen und verfügte über 15 bis 22 Geschütze für die Fernverteidigung sowie etwa 14 Geschütze für die Nahverteidigung. Zwischen den Forts wurden 83 Bunker und 20 Artilleriestellungen angelegt. Fort I, ab 1888 errichtet, zählte mit seinen gepanzerten Geschütztürmen zu den ersten Panzerfestungen des Deutschen Reichs. Bis 1914 wuchs die Zahl der Festungsbauten auf rund 200; insgesamt wurden etwa 60 Millionen Mark für Bau, Instandhaltung und Ausstattung der Anlagen aufgewendet.

Das Militär prägte auch das Stadtbild: Etwa ein Drittel der Gebäude Thorns waren militärische Bauten. Im inneren Festungsbereich entstanden in den 1880er Jahren die Wilhelms-Kaserne und eine Artillerie-Kaserne, dazu die Kulmer-Tor-Kaserne, ein Militärkrankenhaus und 1894 bis 1897 die Garnisonkirche. Das Infanterie-Regiment „von Borcke“ (4. Pommersches) Nr. 21 erhielt 1887 einen Kasernenneubau im Stadtteil Rudak südlich der Weichsel, der bis heute vom polnischen Militär genutzt wird.

Bei Kriegsausbruch 1914 war Thorn Sitz des Kommandos der 35. Division, das 1912 von Graudenz hierher verlegt worden war; die Division unterstand dem XVII. Armee-Korps. In Thorn lagen die Infanterie-Regimenter „von Borcke“ (4. Pommersches) Nr. 21 und „von der Marwitz“ (8. Pommersches) Nr. 61, die gemeinsam die 70. Infanterie-Brigade bildeten, ferner Teile des 9. Westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 176 (Garnisonen Kulm und Thorn) und das Thorner Feldartillerie-Regiment Nr. 81 (Thorn und Hammerstein). Die Festungsartillerie stellte das 1881 aufgestellte Fußartillerie-Regiment Nr. 11, das seit seiner Gründung in Thorn garnisonierte.

Die Stadt selbst wuchs im Kaiserreich kräftig: von 16.620 Einwohnern im Jahr 1871 über 23.906 im Jahr 1885 auf 46.227 im Jahr 1910. Bei der Volkszählung 1910 gaben 27.505 Einwohner Deutsch und 17.889 Polnisch als Sprache an — Thorn blieb eine Stadt zwischen beiden Kulturen, was sich auch im Umgang mit dem berühmtesten Sohn der Stadt zeigte: Der 400. Geburtstag des 1473 hier geborenen Nikolaus Kopernikus wurde 1873 von deutschen und polnischen Bürgern getrennt gefeiert, da beide Seiten ihn für die eigene Nation beanspruchten. Wirtschaftlich standen neben dem Weichsel- und Getreidehandel das Braugewerbe und die als Thorner Kathrinchen bekannten Pfefferkuchen für den Ruf der Stadt.

Nach 1920 kam Thorn als Toruń an die wiedererrichtete polnische Republik; die abziehende preußische Armee baute zuvor Artillerie, Panzertüren und technische Ausstattung der Werke aus. Die polnische Armee nutzte die Anlagen nur noch nachgeordnet, wodurch der Fortgürtel weitgehend unverändert erhalten blieb. Heute gilt die Festung Toruń als eine der besterhaltenen in Europa; sie wurde 1971 als Denkmal der Militärtechnik registriert, und seit Februar 2021 zeigt das Festungsmuseum Toruń in einer Kasematte die Geschichte der Anlage.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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