Garniſon Bromberg

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

53.1210° N, 18.0003° O

Heutiger Name

Bromberg

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Über die Garniſon Bromberg

Bromberg an der Brahe war im Deutschen Kaiserreich das administrative und verkehrstechnische Zentrum des nördlichen Teils der Provinz Posen. Seit der preußischen Verwaltungsreform von 1818 amtierte hier die Regierung des gleichnamigen Regierungsbezirks; das Amtsblatt erschien wegen des erheblichen polnischen Bevölkerungsanteils zweisprachig. 1875 schied die Stadt aus dem Landkreis aus und bildete einen eigenen Stadtkreis. Herausragend war Brombergs Stellung im Eisenbahnwesen: Bereits 1849 wurde die Königliche Direction der Ostbahn zu Bromberg eingerichtet, deren Hauptaufgabe Bau und Betrieb der Strecken der Preußischen Ostbahn von Berlin bis zur russischen Grenze bei Eydtkuhnen war. Mit 4412 Kilometern Streckenlänge (Stand 1894) war die Eisenbahndirektion Bromberg die mit Abstand größte Direktion der preußischen Staatsbahnen.

Als Garnisonsstadt gehörte Bromberg zum Bereich des II. Armee-Korps. Von 1852 bis zur Auflösung Ende 1918 hatte der Stab der 4. Division seinen Sitz in der Stadt; ebenfalls in Bromberg lagen die Stäbe der 7. Infanterie-Brigade, der 4. Kavallerie-Brigade und der 4. Feldartillerie-Brigade. Nach der Friedensgliederung von 1914 standen in der Stadt das Infanterie-Regiment „Graf Schwerin“ (3. Pommersches) Nr. 14, das Grenadier-Regiment zu Pferde „Freiherr von Derfflinger“ (Neumärkisches) Nr. 3, das 2. Pommersche Feldartillerie-Regiment Nr. 17 sowie das Hinterpommersche Feldartillerie-Regiment Nr. 53, dessen I. Abteilung nach Hohensalza detachiert war. Der polnischen Garnisonsüberlieferung zufolge kam dazu Fußartillerie (Fußartillerie-Regiment Nr. 15). Das Regiment Nr. 14, das seinen Ehrennamen nach Generalfeldmarschall Kurt Christoph von Schwerin am 27. Januar 1889 erhalten hatte, blieb bis Kriegsende mit Bromberg verbunden und wurde dort ab dem 14. Dezember 1918 demobilisiert.

Die Garnison prägte das Stadtbild durch mehrere große Kasernenanlagen. An der Danziger Straße (heute ulica Gdańska) entstand 1876 bis 1878 die Artilleriekaserne, die nach Erweiterungen der Jahre 1883 bis 1885 das Gelände zwischen den heutigen Straßen Gdańska und Artyleryjska einnahm und als größte Kasernenanlage der Stadt galt; das Areal wird bis heute militärisch genutzt. 1883/84 folgte eine Kavalleriekaserne an der heutigen ulica Szubińska, 1913 eine rund 5,5 Hektar große Anlage für die Fußartillerie an der heutigen ulica Powstańców Warszawy. Ebenfalls 1913 wurde an der Gdańska 190 ein großes Militärschulgebäude errichtet, das später als Kriegsschule diente und bis in die Gegenwart von militärischen Einrichtungen genutzt wird. Nach dem Übergang der Stadt an Polen übernahm 1920 das polnische Heer die Anlagen; einzelne Komplexe gingen später an Schulen und zivile Einrichtungen über.

Ein Flieger-Standort war Bromberg vor 1914 nicht: Für die Vorkriegszeit ist lediglich belegt, dass das deutsche Militär bereits 1911 einen Flugplatz bei der Stadt plante. Errichtet wurde die Anlage erst im Kriegsjahr 1916 auf dem Gelände Biedaszkowo südlich der damaligen Stadtgrenze, mit militärischer Infrastruktur, Flugfeld und mehreren Hangars; 1917 war dort eine deutsche Fliegereinheit stationiert. Aus dem Militärflugplatz des Ersten Weltkriegs ging nach mehreren Zwischennutzungen der heutige Ignacy-Jan-Paderewski-Flughafen Bydgoszcz hervor.

Wirtschaftlich verdankte Bromberg seinen Aufstieg der Lage am Schnittpunkt zweier Verkehrssysteme. Der bereits 1773/74 unter Friedrich II. erbaute Bromberger Kanal verbindet die Brahe bei Bromberg mit der Netze bei Nakel und stellte damit die Schifffahrtsverbindung zwischen Weichsel und Oder her. Ein Reichsgesetz vom 1. April 1905 verfügte den Ausbau des Kanals, der 1917 abgeschlossen war und die Wasserstraße für Finowmaß-Kähne befahrbar machte. Zusammen mit der Ostbahn bewirkte der Kanal seit dem 19. Jahrhundert einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung, der Bromberg zu einem der bedeutendsten Handels- und Industrieplätze des preußischen Ostens machte.

Die Bevölkerung wuchs entsprechend rasch: von 31.308 Einwohnern im Jahr 1875 über 41.399 im Jahr 1890 — davon 28.411 Evangelische, 11.165 Katholiken und 1451 Juden — auf 52.204 Einwohner einschließlich der Garnison im Jahr 1900. Bei der Volkszählung von 1910 zählte die Stadt 57.696 Einwohner, davon rund 84 Prozent Deutsche und knapp 16 Prozent Polen; im umgebenden Regierungsbezirk lagen die Verhältnisse deutlich anders. Mit dem Friedensvertrag von Versailles endete die preußische Zeit: Im Januar 1920 wurde Bromberg an die Zweite Polnische Republik abgetreten, die Eisenbahndirektion Bromberg wurde aufgelöst, und die Kasernen der alten Garnison gingen an das polnische Militär über.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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