Garniſon Pillau

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Preußen

Truppengattung

Heer

Koordinaten

54.6482° N, 20.2111° O

Heutiger Name

Pillau

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Über die Garniſon Pillau

Pillau lag am Pillauer Tief, der schmalen Verbindung zwischen der Ostsee und dem Frischen Haff, und beherrschte damit die einzige seetüchtige Einfahrt in das Haff. Aus dieser Lage ergab sich die doppelte Bedeutung des Ortes: Er war zugleich Seefestung und Vorhafen Königsbergs. Weil das Frische Haff nur geringe Wassertiefen aufwies, mussten größere Seeschiffe früher einen Teil ihrer Ladung in Pillau an flache Leichterfahrzeuge (Bordinge) abgeben, ehe sie Königsberg, Elbing oder Braunsberg erreichen konnten. Pillau war so über Jahrhunderte der maritime Schlüssel zur ostpreußischen Hauptstadt und wickelte einen erheblichen Umschlag ab; für das Jahr 1903 sind 252 einlaufende beladene Seeschiffe mit zusammen rund 137.500 Registertonnen verzeichnet.

Der Kern der Befestigung geht auf den Dreißigjährigen Krieg zurück. Am 6. Juli 1626 landete der schwedische König Gustav Adolf mit einer Flotte von 37 Schiffen bei Pillau; der Ort blieb zehn Jahre lang schwedisch besetzt und wurde zur Festung Pillau ausgebaut. In den 1650er Jahren verstärkte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Anlage und legte in Pillau einen brandenburgischen Kriegshafen an. Die Festung bildete im Grundriss ein annähernd regelmäßiges Fünfeck, das das Tief beherrschte. Ihre militärische Bedeutung reichte bis in die napoleonische Zeit: 1807 widerstand sie französischen Angriffen, 1812 wurde sie vertraglich an Frankreich abgetreten und am 8. Februar 1813 wieder geräumt. Bis ins Kaiserreich blieb das Werk als Festungsplatz in Nutzung.

Die Garnison des Kaiserreichs war überschaubar und rein dem Heer zugehörig. Für 1905 ist sie mit einem Infanteriebataillon des Regiments Nr. 43 und einem Bataillon Fußartillerie überliefert. Das Infanterie-Regiment „Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz“ (6. Ostpreußisches) Nr. 43 hatte sein II. Bataillon in Pillau liegen; sein Verband gehörte, wie die ostpreußische Fußartillerie, zum I. Armee-Korps mit Generalkommando in Königsberg. Die Fußartillerie des Platzes gehörte zum in Danzig und Pillau stationierten Fußartillerie-Regiment. Eine Marine-Einheit oder ein Kriegshafen der Kaiserlichen Marine ist für Pillau in dieser Zeit nicht belegt.

Für die Seeverbindung Königsbergs zur offenen See wurde zwischen 1890 und 1901 der Königsberger Seekanal gebaut und am 15. November 1901 feierlich eröffnet. Der rund 43 Kilometer lange Kanal mit einer anfänglichen Fahrrinnentiefe von durchschnittlich 6,7 Metern führte von Königsberg durch das Haff bis zur Ostsee bei Pillau und machte das lästige Umladen in Pillau für größere Schiffe entbehrlich. Er kostete gegenüber den veranschlagten 7,3 Millionen Goldmark am Ende 12,3 Millionen Mark. Der Kanal veränderte die wirtschaftliche Rolle Pillaus, das nun weniger als zwingender Umschlagplatz denn als Fischerei-, Lotsen- und Badeort in Erscheinung trat.

Zur Infrastruktur des Platzes gehörten eine Infanterie-Kaserne und eine Artillerie-Kaserne; der eigene Gutsbezirk Festung Pillau wurde am 30. März 1903 in die Stadt eingemeindet. Auf den Molen standen Seezeichen: ein Leuchtturm auf der Nordermole und eine sechs Meter hohe Leuchtbake auf der Südermole. Die Festungswerke selbst — die sternförmige Zitadelle als ältester Kern — überdauerten beide Weltkriege. Seit 1945 gehört Pillau als Baltijsk zu Russland; der Ort wurde nach 1946 Hauptstützpunkt der Baltischen Flotte und ist bis heute ein innerhalb des Kaliningrader Gebiets besonders abgeschottetes militärisches Sperrgebiet. Die alte schwedisch-preußische Festung wird weiterhin militärisch genutzt.

Als Stadt blieb Pillau im Kaiserreich klein: 1905 zählte sie 7.374 überwiegend evangelische Einwohner (darunter 233 Katholiken), 1910 waren es 7.079 auf einer Fläche von etwa 900 Hektar. An öffentlichen Einrichtungen bestanden ein Amtsgericht, ein Hauptzollamt, ein Oberfischmeisteramt, ein Seemannsamt, ein Strandamt und eine Lotsenstation, ferner eine Navigationsschule, eine Realschule und mehrere evangelische Kirchen sowie eine katholische Kirche. Neben Fischerei, Schiffbau und Bernsteindrechslerei prägte das Seebad das Bild des Ortes: In der amtlichen Beschreibung von 1910 erscheint Pillau ausdrücklich als „Festung und Seebad“ — die Verbindung von militärischem Platz und Ostseebad, die den Ort bis zum Ende des Kaiserreichs kennzeichnete.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeſchichte

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